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Baiba und Lauma Skride aus Lettland.

Schwestern aus Lettland

Nymphen in Balance

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Sie kommen aus Lettland, Geigerin Baiba und Pianistin Lauma Skride, und sie haben jetzt in Frankfurts Alter Oper gezeigt, was schwesterliche Harmonie bewirken kann. Von Bernhard Uske

Unverzärtelt, aber nicht burschikos, regelrecht neo-klassizistisch könnte man das Spiel der beiden lettischen Schwestern Baiba und Lauma Skride nennen, so aufgeräumt und geradlinig trat das Duo im Sonderkonzert der Museums-Gesellschaft auf. In Riga und Rostock hat Geigerin Baiba, in Riga und Hamburg die Pianistin Lauma studiert. Aber vielleicht war es doch eher die den beiden ins Gesicht geschriebene Verwandtschaft, die ein solches Maß an sonorem und taktilem Einverständnis erzeugte, wie es jetzt in Frankfurts Alter Oper realisiert wurde.

Mit Franz Schuberts Violin-Sonate in a-Moll begann der Abend: eine verhaltene Reminiszenz an Mozarts "lichte, helle, schöne Ferne", wie der Komponist kurz nach Fertigstellung formulierte.

Perfekte Balance

Hell und schön war das Klangresultat der Schwestern zweifellos, aber die Ferne blieb doch recht nah und ließ das bodenverhaftete Moment von Schuberts Idiom deutlich werden. Entrückt waren dagegen Karol Szymanowskis "Mythen" op. 30: Klangbilder der griechischen Mythologie, die 1915 ein sich in impressionistischer Verflüchtigung und drastischer Gestik zugleich ergehendes Handlungsmuster mit brünstigen und narzisstischen Göttern samt gejagten und entwischenden Nymphen ausbreiteten. Dramatik und sphärische Atmosphäre wurden von den Skrides in perfekter Balance gehalten.

Als Finale dann Ludwig van Beethovens letzte Violinsonate in G-Dur op. 96. Ein Werk, das sich mit seinen vielen linearen Melodiefloskeln auf den Weg ins Spätwerk macht. Der alles durchknetende Furor ist hier einer additiven Form gewichen und Baiba und Lauma Skride ließ er in großer Deutlichkeit das repetitive Format sich abspulen: Beethoven als noch ziemlich robust, aber bereits geübt im Verzicht auf prometheische Zugriffe.

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