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W-Festival

Nouvelle Vague: Die alte Welle

  • VonStefan Michalzik
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Nouvelle Vague eröffnet das W-Festival in der Alten Oper mit Routine und einer Oldierevue.

Ich entsinne mich eines Radiointerviews Mitte der nuller Jahre, in dem einer der beiden Gründer der französischen Band Nouvelle Vague, Marc Collin oder Olivier Libaux, erklärt hat, ihnen sei bewusst, dass ihr Projekt einer Übertragung von Evergreens aus der Ära von Post-Punk und New Wave in ein Umfeld von Bossa Nova und akustischer Gitarre sich auf zwei allenfalls drei Alben betreiben lasse – dann sei es ausgereizt. Nun schreiben wir das Jahr 2021 – und Nouvelle Vague gibt es immer noch, 16 Jahre nach Erscheinen ihres Debütalbums.

Wenn sich der Erfolg erst einmal eingestellt hat, lautet das Prinzip in vielen, so auch in diesem Fall der Nouvelle Vague: immer so weiter, so lange das Publikum bei der Stange bleibt.

In der Frankfurter Alten Oper, zur Eröffnung einer auf vier Konzerte beschränkten Ausgabe des W-Festivals (vormals „Women of the World“), ist es in eklatanter Unterschreitung der pandemiemaßnahmenbedingten Begrenzung überschaubar. Inwieweit das einer nachlassenden Beliebtheit zuzuschreiben ist oder doch eher einer Zurückhaltung angesichts steigender Infektionszahlen steht dahin.

Französisch hauchend

Angetreten sind Nouvelle Vague, die im Studio mit wechselnden Sängerinnen arbeiten, in der altgedienten Bühnenbesetzung mit der sehr französisch hauchenden Mélanie Pain und der sich eher rockistisch cool gebenden Franko-Australierin Phöbe Killdeer.

Das Repertoire ging beinahe durchweg auf die beiden ersten Alben zurück, von „Love Will Tear Us Apart“ (Joy Division) über „Too Drunk to Fuck“ (Dead Kennedys) bis zu „Fade to Gray“ (Visage) und „Eisbär“ (Grauzone). Dazwischen mal eine Novität wie „Girls and Boys“ von Blur in der bekannten Machart der Band. Das mag man freundlich nennen, als das Publikum vor mediokren Nummern, die Nouvelle Vague in der Zwischenzeit auf Compilations und B-Seiten gepackt haben, verschont bleibt.

Der unter dem Alter Ego Señor Coconut firmierende Frankfurter Elektropop-Produzent Uwe Schmidt trat mit den samplebasierten Latin-Versionen von Klassikern der Elektropioniere Kraftwerk die Coverwelle der nuller Jahre los. Damals wurden theorielastige Essays über den Transfer kultureller Positionen, gespickt mit Zitaten von Jean Baudrillard & Co., veröffentlicht.

Bei den seinerzeit umstrittenen Nouvelle Vague wäre auf diesen Gedanken keiner gekommen. Da war alles charmante Leichtigkeit, originell gemacht, mit Empfehlung für die Cocktaillounge. Beim Frankfurter Konzert handelte es sich um eine Oldierevue, unverdrossen und perfekt inszeniert. Aber eine Vielle Vague – eine alte Welle.

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