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In Spiellaune, aber wie, sind die North Missisippi Allstars.

Mississippi Allstars

North Mississippi Allstars: Teufelsschön unterm Blauregen

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Weil das Kollektiv die Zukunft ist: Die North Mississippi Allstars als Bewahrer und Visionäre.

Blues ain’t nothing but dance music“. Was die Dickinson-Brüder dem Hill-Country-Berserker RL Burnside einst abgelauscht, findet nun seinen Widerhall in einer Veröffentlichung, die schlicht „Up and Rolling“ betitelt ist und das 10. Studio-Album der North Mississippi Allstars markiert. Ein Song-Dutzend, brückenschlagend, knietief in der Tradition ortsüblicher Country-Blues-Variation – zugleich den verwilderten Pfad ins 21. Jahrhundert bahnend.

Fotografien von Wyatt McSpadden – deren sich einige in dem empfehlenswerten, weil informativ-anregenden Booklet anschauen lassen – sind Ausgangspunkt eines Vorhabens, das Vorfahren und Nachkommen der lokalen, im nördlichen Mississippi beheimateten Blues-Spielart nochmals ins Joch spannt. Längst sind RL Burnside, Otha Turner und Junior Kimbrough gestorben, begraben und dem großen Vorgänger Fred McDowell in andere Gefilde nachgefolgt – ihre klingenden Veranden, Juke Joints und Geburtstagpartys aber gegenwärtig in einer alten, „Zebra Ranch Recording Studio“ genannten Scheune.

Dort, im Tate County, vorzeiten Land der Baumwolle und Sklaverei, hat der emsig-hartnäckige Blauregen die geschichtsträchtige, von Vater Jim Dickinson eingerichtete Recording-Scheuer vollends eingehüllt. Bevor sie antanzen und loslegen, die Allstars mitsamt Gästen, muss Wildwuchs gebändigt, Studiotechnik in Gang gebracht werden. Dann reichen Luther und Cody Dickinson – vielbeschäftige Musikanten im Dienste des allumfassenden „World Boogie“ – die ausgewählte Liedertafel herum, lassen schließlich mit dem fulminanten „Call That Gone“-Auftakt den Alligator aus dem Sack.

Die ersten 22 Minuten des Albums setzen Marksteine des Genres: In das Hill-Country-Repertoire – „Moonshine Inspired Trance Rhythms“ – werfen sich die Akteure mit einer Spiellaune, die auf wissendem Können und freigeistigem Wagemut basiert. Wie auf keiner Einspielung der Dickinson Gang zuvor, wird der hiesige Lagebericht von der Fife & Drum-Kunst des seligen Otha Turner dominiert. Seine Enkelin Sharde Thomas hat nicht nur genügend Luft für prägnant-fiebrige Flötentöne, auch gesanglich ist die Traditionsbewahrerin heute unverzichtbar.

Ähnlich den North-Mississippi-Anfangstagen vor zwei Jahrzehnten regiert wieder das Kollektiv. Ein Gutteil des Songmaterials ist dem Kimbrough-Burnside-Turner-Kanon entnommen, moderne Entsprechungen wie „Bump That Mother“ oder „Living Free“ sind Teamleistungen ohne Lückenbüßermakel. Das herausragende Stück hat Luther Dickinson jedoch in einsamster Swamp-Nacht ersonnen: Im Laufe des „Up and Rolling“ trinken wir „Mushroom Tea“, essen LSD, atmen Pot, sind ganz und gar „Hippie-Trippin’“ – ein Gospel-Flokati, ein Groove-Schleicher in endlosen 300 Sekunden.

Frauenstimmen, Männerstimmen! Und danach gleich Mavis Staples, den sehr funky aufbereiteten 65er Staple-Singers-Hit „What You Gonna Do?“ intonierend. Eine mitreißende Stilpalette breitet sich aus, den Allstars ist weder Shuffle noch Soul, weder Dixie noch Jam, weder Himmel noch Hölle fremd. Hören Sie auch „Peaches“, dieses gottgewollte, teufelsschöne Stück Bluesmusik aus dem Jahre 2019.

Wer sich all dem erwehren könnte! Afrika, Amerika, Sumpf- und Ackerland, urbar gemacht mit Hilfe von Trommeln, Flöten, Elektrogitarren. Dance Music also. Und auch das, was vor Äonen im Fachblatt „Spex“ über Mud Boy & The Neutrons – jener sagenumwobenen Combo von James Luther „Jim“ Dickinson – zu lesen war: „Die gute Schlammpackung“. Yeah, Baby.

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