John Mayall in Kalifornien. AFP

„Nobody Told Me“

John Mayalls neues Album - ein Vermächtnis

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„Nobody Told Me“ - das neue Album des Altmeisters des Blues John Mayall ist ein frischer Blick zurück.

Es ist ein herausfordernder, fast jugendlicher Blick, mit dem John Mayall auf dem Cover seines neuesten Albums „Nobody Told Me“ posiert. Das dunkelblaue, gemusterte Hemd spannt ein wenig am Bauch, aber der Mann, der sich da an einen knorrigen Baum lehnt, ist zweifellos gut in Form. John Mayall, der große Altmeister der britischen Bluesszene ist 85 Jahre alt, im März kommt er zu einigen Konzerten nach Deutschland. Er klingt immer ein wenig nach überflüssigem Wikipedia-Wissen, aber an der pophistorischen Bedeutung von John Mayall kommt man nun einmal nicht vorbei. Er hat die Geschichte des Pop, die eben auch aus dem Blues hervorgegangen ist, stark beeinflusst. Von und bei ihm lernten Eric Clapton und Mick Taylor. In der frühen Erfolgsphase von Fleedwood Mac war die Band stark geprägt vom Gitarrenspiel Peter Greens, der ebenfalls aus der Mayall-Klasse der Bluesbreakers kam.

Über 60 Alben hat John Mayall im Verlauf seiner bald 70-jährigen Karriere als Bluesmusiker herausgebracht. Einige hatten experimentell-suchenden Charakter, viele aber folgen dem einfachen Muster des von Gitarren getriebenen Blues, der in der weißen, britischen Version weniger schwermütig ist als der Sound der verehrten schwarzen Vorbilder, allen voran Muddy Waters. Launig, lustig und mit intellektuellem Touch war schon das legendäre Album „Looking Back“ von 1969, auf dem Mayall wortspielerisch den Blick zurück als Selbstvergewisserung durchspielt, ob das begehrte Mädchen sich wohl danach umschaut, um zu sehen, ob er sich umgeschaut hat.

Ein frischer Blick zurück ist auch das neue Album „Nobody Told Me“, zu dem sich John Mayall eine Handvoll exquisiter Kollegen wie Joe Bonamassa, Todd Rundgren und Steven van Zandt eingeladen hat. Mitmachen ist in diesem Fall eine Art Familienangelegenheit. Sie alle tragen ihre ausgeprägten Stilvariationen bei, um am Ende doch einen traditionell-ursprünglich Blues zu zelebrieren, für den es beim Zuhören eher zweitrangig ist, wie gerade das Stück heißt und wer mitspielt.

Aufgenommen wurde das Album im berühmten kalifornischen Foo Fighters Studio 606, das über pop-heiliges Equipment verfügt, auf dem bereits das legendäre Fleedwood-Mac-Album „Rumours“ aufgenommen wurde. Beim Titelstück, auf dem Mayall die einzigartige, gelegentlich mit Janis Joplin verglichene Carolyn Wonderland präsentiert, meint man, jede einzelne Schwingung der Gitarrensaiten zu vernehmen. Niemand habe ihm gesagt, singt Mayall, dass du eines Tages nicht mehr da sein würdest („Nobody told me, that some day you are gone“). Das Album ist auch ein Vermächtnis.

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