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Posaunist Nils Wogram

Nils Wogram „Muse“: Quartett der Aufmerksamen

  • VonHans-Jürgen Linke
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Ein Kammermusik-Ensemble um den Posaunisten Nils Wogram mit „Muse“.

Irgendwas ist da schon zu hören, aber sehr leise. Eine Posaune mit markiert, aber hauchfein artikulierten Einzeltönen. Dann gezupfte Saiten. Dann zwei Melodieinstrumente. Dass es sich um eine Bratsche und ein Altsaxofon handelt, wird taktweise nach und nach erkennbar. Klar, kann man in der Besetzungsliste nachlesen, in der neben Nils Wogram, Posaune, noch Kathrin Pechlof, Harfe, sowie Gareth Lubbe, Bratsche und Obertongesang, sowie Hayden Chisholm, Altsaxofon, stehen.

Aber es gibt hinter dieser ungewöhnlichen Besetzung ein spür- und hörbares Geheimnis. Man könnte es mit dem Wort „Nähe“ umschreiben. Eine klangliche Nähe zwischen vier Musiker*innen und eine darin wurzelnde Nähe und Gemeinsamkeit in der Idee, was improvisierende Musiker noch spielen können außer Musik in zeitgenössischen E-Musik-Idiomatiken oder in jazzaffinen Stilistiken. Was hier zu hören ist und sich schrittweise entwickelt, ist eher etwas Viertes als etwas aus dem notorischen Third stream.

Angespannt, dabei geduldig

Für die aktuelle Produktion des Posaunisten Nils Wogram, der zu den raffiniertesten Jazzmusikern Europas gerechnet werden muss, passt die Gattungsbezeichnung „Kammermusik“ besser als jede andere. Ihre deutlichste Eigenschaft ist eine klangliche Aufmerksamkeit und spielerische Behutsamkeit im Zusammenspiel. Man spürt ständig das angespannte, dabei geduldig aufnehmende gegenseitige Zuhören. Jeder Klang, jeder Ton, jede artikulatorische Besonderheit bekommt in der Band die gebührende Aufmerksamkeit.

Das Album:

Nils Wogram: Muse. nWog records 041.

Solistische Phasen werden sensibel eingebunden in und bezogen auf einen kollektiven Klanghintergrund, und jede solistische Aktivität geht heikel, durchdacht und drucklos vor.

Klar, manchmal hört man den Jazzposaunisten Wogram heraus, aber er setzt sich über nichts hinweg. Seine Phrasierungen lassen seine starke Verwurzelung im Jazz erkennen, die rhythmischen Aspekte seines Spiels treten lässig und wie nebenher hervor. Kathrin Pechlof belgeitet ihn mit diskreten Harfen-Arpeggien, als spiele sie eine nur angedeutete Gitarre. Und immer lässt die Posaune neben sich so viel Klang-Raum, dass die Harfe hörbar bleibt. Genau wie die Bratsche und manchmal der erstaunliche Kehlkopf-Obertongesang des Bratschisten.

Auch Altsaxofonist Hayden Chisholm ist stets klar erkennbar, auch wenn er immer mal vorübergehend mit dem Streichinstrument verschmelzen zu wollen scheint. Ohnehin und seit je ist seine Tongebung am Altsaxofon enorm biegsam, nuancenreich und sanft, so dass er sich für einen Kammermusik-Kontext nicht umstellen, allenfalls ein wenig disziplinieren muss.

Und wenn man in der Besetzungsliste etwa vergeblich nach einer Piccolo-Flöte sucht: das ist Bratschist Gareth Lubbe mit seinem Obertongesang.

Muse ist ein ungemein melodiöses Album, das von feinsinnigen Überlagerungen und Überblendungen, harmonischen Überraschungen und klanglichen Reibungen lebt und von stilistischen Eigenständigkeiten der vier Bandmitglieder. Und davon, dass man immer sehr aufmerksam zuhört, wie die Musiker und -innen selbst.

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