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Nils Landgren in der Alten Oper: Er kann auch anders – diesmal aber nicht

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Von: Stefan Michalzik

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China Moses und Nils Landgren mit seiner Funk Unit in der Alten Oper Frankfurt.
China Moses und Nils Landgren mit seiner Funk Unit in der Alten Oper Frankfurt. © Wonge Bergmann/Alte Oper

Nils Landgren und die Funk Unit in Frankfurt

In einer frühen Kritik über die 1992 gegründete Funk Unit des schwedischen Posaunisten Nils Landgren ist zu lesen, Funk mit seinem „stur durchgehaltenen Rhythmus“, sei eine „Musikgattung, die nichts Überraschendes bereithält“. Das ist natürlich Unsinn. Was sich im Text aber manifestiert, ist der Umstand, dass die Musik von Landgrens Funk Unit für Jazzpuristen von Anbeginn an einen Graus darstellte. Mit eingängig groovenden Rhythmen legte Landgren das Fundament seines für einen Jazzmusiker immensen Erfolgs – Reputation in engeren Kennerkreisen lässt sich so keine erspielen.

Dass Landgren auch anders kann, ist längst bekannt. Was für ein brillanter Musiker er ist, unterstreicht er gerade in seiner Jazz-Residenz an der Frankfurter Alten Oper, in deren Rahmen er schon mehrere großartige Konzerte im kammermusikalischen Verbund mit ausgesuchten musikalischen Partnerinnen und Partnern hingelegt hat. Nun also die Funk Unit. So freundlich wie sein Auftreten – „Es macht ja Spaß in Frankfurt“ – ist auch die Musik. Eingangs eine Fusionnummer, Landgrens Komposition „Amanda“ vom neuen Album „Funk Is My Religion“. Da handelt es sich noch nicht um Funk, der ist aber bald erreicht, in einem Stil, der auf der einen Seite Cannonball Adderley und auf der anderen die Brecker Brothers als Orientierungspunkte erkennen lässt. Leider ist das bei der Funk Unit in seiner allzu pauschalen und routinierten Manier nicht mehr als gepflegt. Die Besetzung: Landgren, Posaune und Leadgesang; Jonas Wall, Tenorsaxofon; Andy Pfeiler, E-Gitarre; Petter Bergander, Fender Rhodes Piano und Hammond-B3-Nachbau; Magnum Coltrane Price, E-Bass; Robert Ikiz, Schlagzeug.

Dann der Auftritt von China Moses, die den Rest des Abends wesentlich prägte. Funk ist im Idealfall ein Maximum an Intensität. Bei der New Yorkerin indes ging es um Stimmungsmache, flankiert von einer Dynamik des scheinbaren Nicht-anders-als-immer-nur-tanzen-Können. Womit sie sich unter Wert verkaufte. Auf ihrem mit Pianist Raphael Lemonnier eingespielten Album „This One’s For Dinah“ präsentiert sie sich als ernstzunehmende Sängerinnenpersönlichkeit.

Bekanntlich ist Landgren selbst ein in seinen besten Momenten anrührend melancholischer Balladensänger. Auch an diesem Abend nimmt er mit seinem kunstvoll schmalen Gesang für sich ein. Gerade im direkten Vergleich mit dem gleichförmigen Klischeezeugs des Tenorsaxofonisten Wall wird das Format der Soli Landgrens noch inmitten des gröbsten Bandgetöses deutlich. Mehr davon ein andermal wieder.

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