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Nils Landgren begleitet einen Stummfilm von Buster Keaton.
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Nils Landgren begleitet einen Stummfilm von Buster Keaton.

Buster Keaton mit Nils Landgren

Nils Landgren begleitet „Seven Chances“ in der Alten Oper: Tröt, da fällt das Monokel

  • VonStefan Michalzik
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Nils Landgren und Solistenensemble begleiten Buster Keatons Stummfilm „Seven Chances“.

Noten liegen an diesem Abend im Mozart-Saal der Frankfurter Alten Oper keine auf den Pulten, die Improvisation, das betont Nils Landgren eingangs, bildet die Grundlage. Die Musiker sitzen mit dem Rücken zum Publikum, Blickrichtung Leinwand, und reagieren auf die Bilder in dem herrlichen Stummfilmklassiker „Seven Chances“ – „Sieben Chancen“ –, den Buster Keaton 1925 gedreht hat, mit sich selbst in der zentralen Rolle.

Der Plot ist lachhaft nichtig, aber das hat großer Unterhaltungskunst noch nie geschadet. Buster Keaton hat die Vorlage, ein 1916 uraufgeführtes Bühnenstück von Roi Cooper Megrue, nicht gemocht. Die von Keaton gespielte Figur, ein bankrotter Makler, bekommt die Kunde von einem sagenhaften Erbe, das er allerdings nur antreten kann, sofern er bis zu seinem 27. Geburtstag um 19 Uhr heiratet – und der ist heute. Eine Braut muss also her. Der triviale Stoff ist Keaton von seinem Produzenten Joseph Schenck aufgedrängt worden, da hat er eben als Regisseur und Schauspieler des Beste daraus gemacht. Er ist sehr frei damit umgegangen, hat Szenen hinzugefügt.

Die Musik des handverlesenen Solistenensembles um Sebastian Studnitzky an Trompete und Fender Rhodes Piano, David Helbock an Klavier und Synthesizer, den Bassisten Dan Berglund und den Perkussionisten Silvan Straus behauptet eine Eigenständigkeit, zugleich vergisst sie nie die dienende Funktion dem Film gegenüber. Sie ist griffig, die Grundlage ist ein funkaffiner Jazz, ein hoher Organisationsgrad ist zu erkennen. Das steht in keinem ernstlichen Widerspruch zum Anspruch der improvisatorischen Findung.

Es ist klar, wer an welcher Stelle welche Dinge tut. Etwa dass David Helbock das Klingeln eines Telefons mit einer Abfolge von fiependen Tönen am Synthesizer markiert und Nils Landgren, wenn das Monokel eines Anwalts mehrmals von dessen Nase fällt, immer einen kleinen Tonschlenker auf der Posaune produziert. Musikhistorischer Versatzstücke enthält sich die Musik.

Da ist viel an stummfilmtypisch expressionistisch übersteigertem Mienenspiel, da ist natürlich Keatons todernstes, unbewegtes, trotzdem sprechendes Gesicht. Und da ist vor allem ein wunderbar artistischer Slapstick in immer neuen Variationen. Keaton ist als Langstreckenläufer wider Willen auf der Flucht vor einer grotesken Schar von überwiegend betagten „Bräuten“, die den potenziell reichen Gatten über Klippen und in einen Hagel von Gesteinsbrocken jagen. Die atemberaubend virtuosen Turbulenzen setzt das Quintett in musikalische Bewegtheiten unter Verzicht auf eine pointierte Motorik. Eher lakonisch ist die Musik in ihrer Haltung denn dramatisch. Sie ist von einer Finesse, die sich nicht selbst gefällt.

Politisch-emanzipatorisch korrekt ist in Keatons Meisterwerk nichts. Das Bewusstsein dessen signalisierte Nils Landgren zu Beginn – ein beispielhaft angemessener Umgang mit diesem Umstand.

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