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George Evelyn.

Palmengarten

Nightmares On Wax in Frankfurt: Mit einem Werbeblock für Mutter Erde

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Nightmares On Wax alias George Evelyn mit einem abwechslungsreichen Programm im Frankfurter Palmengarten.

Um 1990 ist Techno in den Mainstream durchgebrochen. Alsbald diversifizierte sich die elektronisch produzierte Tanzmusik in rascher Folge in immer neue Subgenres – und es gab eine Gegenbewegung zu der Heftigkeit der bassgetriebenen Beats. Nightmares on Wax gehörten zu den stilbildenden Pionieren einer Entschleunigung, für die bald das Etikett „Downbeat“ gefunden war. Auf dem 1991 bei dem legendären Electronica-Label Warp erschienenen Debütalbum „A World Of Science“ brachten die aus Leeds stammenden Nightmares on Wax HipHop, Electronica, Dub, Funk und Anklänge von Jazz in einer seinerzeit aufregend neuartigen Fusion überein und lieferten wesentliche Impulse für den TripHop.

Verglichen mit den ersten drei Alben bis zu „Carboot Soul“ von 1999 wirkte die Musik bei dem zu einem Gutteil aus dem achten Album „Shape the Future“ gespeisten Konzert in der vom Mousonturm ausgerichteten Reihe Summer in the City im Frankfurter Palmengarten einigermaßen harmlos. Dabei jedoch durchaus ansprechend. Der auch als einer der drei Sängerinnen und Sänger in Erscheinung tretende Elektronikmusiker George Evelyn, der Nightmares on Wax seit dem frühen Ausstieg des Mitbegründers Kevin Harper allein weitergeführt hat, ist natürlich längst ein Popveteran, von dem nicht mehr zwingend Großtaten vom Format jener aus der klassischen Phase zu erwarten sind – Vitalität allerdings ist diesem musikantischen Konzert nicht abzusprechen.

Die primären Koordinaten sind Soul und Afrobeats. Es wurde getanzt, die Musik ist mitreißend und entspannt in einem. Gleichsam programmatisch sind rechts und links auf der Bühne Plüschsessel postiert, in denen die Sängerin und der Sänger, die Teil der fünfköpfigen Band sind, die meiste Zeit verbringen. Besonders umjubelt waren natürlich die Klassiker, wie das grandiose, einst über die ersten drei Alben hinweg variierte „Les Nuits“, das auf einem Sample der Streicher aus Quincy Jones’ herrlicher Easy-Listening-Fassung der Hippie-Hymne „Summer in the City“ von The Lovin’ Spoonful basiert.

Zum Glück bleiben die beiläufigen Predigten von George Evelyn eher unaufdringlich. Spiritualität und ein Bewusstsein für Mutter Erde sind schon auf „Shape the Future“ das Motiv; in diesem Sinne legte Evelyn auch vor der Zugabe einen Werbeblock für die von seinem gleichfalls auf Ibiza lebenden Musikerkollegen Jonny Lee gegründete Hilfsorganisation Last Night a DJ Saved My Life ein.

An dem Stilmix von Nightmares on Wax heute ist nichts mehr besonders aufregend, weshalb die musikpublizistische Resonanz auf „Shape the Future“ nicht gerade euphorisch war.

Abwechslungsreich aber präsentierte sich dieser Abend zwischen wuchtigen Dubbeats, Retrosoul mit Anklängen an den späten Marvin Gaye, Ambientsounds und mal auch einem technoiden Schrubber.

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