Jazzkeller

Nico Hering Trio: Mit schwereloser Beschwingtheit

  • vonStefan Michalzik
    schließen

Nico Herings feines Trio zeigt sich im Frankfurter Jazzkeller in bester Form.

Ungeheuer die Zahl an grandiosen Klaviertrios gerade auch im deutschen Jazz gegenwärtig, Hochkaräter finden sich auch unterhalb des Radars einer breiten Wahrnehmung. Der Mainzer Pianist Nico Hering, Jahrgang 1991, ist kein Gipfelstürmer eines formsprengenden Experimentierwillens. Doch hat er ein eigenes Format nicht zuletzt auch als Komponist entwickelt, dieses auf der Basis eines enzyklopädisch beschlagenen Traditionsbewusstseins, die Moderne betreffend – mit jazzhistorischen Marksteinen wie Bill Evans und Ahmad Jamal als Leitsternen. Sein jüngstes Konzert im Frankfurter Jazzkeller, der sich mit neuer Lüftungsanlage und Plexiglas zwischen bewirteten Tischen überlebensfähig gemacht hat, zeigte ihn und sein seit ungefähr fünf Jahren beständiges, sich durch eine einnehmende Spannkraft auszeichnendes Trio mit dem Bassisten Bastian Weinig und Andreas Neubauer am Schlagzeug in bester Form.

Kennzeichnend für Nico Herings Spiel ist vor allem eine geschliffene Eleganz, die in Momenten einer schwerelosen Beschwingtheit gar zuweilen von fern im besten Sinne an den Barjazz erinnert. Dann wieder ist mächtig Druck im Spiel, die „Pranke“, die perkussive Wucht Marke McCoy Tyner ist Hering nicht fremd; dabei ist er keiner, der die Dinge in die Extreme treibt. Alles abgesichertes Terrain. Der Ansatz des Trios ist der eines kammermusikalischen Jazz, in der begleitenden Rolle setzt Hering die Akkorde mit äußerster Zurückhaltung.

Enorm prägnant das Spiel von Bastian Weinig am Bass, rhythmisch kommentierend wie melodisch orientiert, häufig streicht er auch mit dem Bogen; zu den Höhepunkten des Abends gehörte eine unbegleitete gestrichene Solopassage zu Beginn seines eigenen Stücks „Schmelzende Eisblume“. Schattierungsreich Andreas Neubauer am Schlagzeug, mit einem ausgreifend klangbewussten, atmosphärisch spannungsreichen Spiel.

Auch mit wuchtigem Beat

Für den kommenden Januar ist das Erscheinen eines an gleicher Stelle eingespielten Livealbums annonciert. Im Repertoire führt das Trio neben eigenen Kompositionen von Nico Hering und Bastian Weinig eigensinnige Anverwandlungen von Standards, von der Great-American-Songbook-Nummer „I’ll Be Seeing You“ über Dave Brubecks „In Your Own Sweet Way“ bis zu Wayne Shorters „El Gaucho“, mit einem wuchtigen Beat und furiosen Läufen auf der Tastatur des Klaviers – der klassische „Rausschmeißer“ zur Pause hin.

Alles ist sehr fokussiert bei Nico Hering und seinem Trio, rhythmisch, harmonisch und melodisch pointiert – wunderbarerweise ohne dass es dann doch wieder zu rund wäre.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare