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Nick Cave, hier zwischen Susie Cave und Earl Cave, alle feingemacht für die LACMA Art + Film Gala in Los Angeles. November 2019.

Kurhaus Wiesbaden

Nick Cave in Wiesbaden: Der nackte Messias

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Radikal offen, radikal zugewandt: Nick Cave beantwortet in Wiesbaden alle Fragen.

Mit 15 trat Leonard Cohen in sein Leben. „Songs of Love and Hate“. Und da war es, das Gefühl, das der Teenager Nick Cave in sich trägt, eine Unsicherheit, ein Unbehagen, gegossen in acht Songs. Da spürte er zum ersten Mal die Kraft, die Musik hat, sagt er. Eine Kraft, die ihn nie mehr losließ, die ihn anzog, als er im Berlin der achtziger Jahre mit einer Unmenge Drogen experimentierte, und die ihn auch nicht verließ, als vor etwas mehr als vier Jahren sein Sohn Arthur starb.

Dann dreht er sich zur Seite, schwarzer Anzug, weißes Hemd wie gehabt, setzt sich ans Klavier, das mitten auf der Bühne im Wiesbadener Kurhaus steht, und singt „Avalanche“: „Cut me open and tell me what’s inside“. Nick Cave ist nach Wiesbaden gekommen, um ein paar Songs am Klavier zu spielen. Vor allem aber ist er da, um Fragen zu beantworten. Jeder, der möchte, kann hier heute aufstehen, ein Mikrofon in die Hand nehmen und ihm eine Frage stellen, ganz egal welche. Und Nick Cave stellt sich ihr, charmant, lässig, gewitzt, mit dieser Bühnenaura, die er nun mal hat, vor allem aber mit einer Aufrichtigkeit, die so irre und so ungewöhnlich ist, dass man sie manchmal gar nicht wirklich begreifen kann.

Es sind große Fragen und ganz kleine, metaphysische, unglaublich intime oder irritierend banale. Von manchen ist Cave überfordert, was er sofort zugibt, um dann doch nach Worten zu suchen. Wie man mit dem Tod umgehen könne zum Beispiel, mit Gott, und was danach kommt. Von manchem ist er eine Spur gelangweilt, das ewige Namedropping, was er denn nun von Michael Gira halte oder von Blixa Bargeld heute. Oft gelingt es ihm da, ins Anekdotische abzubiegen, wie sehr er Elvis liebe zum Beispiel oder Shane MacGowan, den er für einen der größten Songwriter überhaupt halte. Wie man sich einen Barabend mit Henry Rollins vorstellen könne, der am liebsten Gewichte hob oder Hunderte Liegestütze absolvierte, während sich Cave am anderen Ende des Tischs die Drogen nur so reinpfiff.

Dazwischen spielt er Musik. „God is in the House“. „Shivers“. „Weeping Song“. „Into my Arms“. „Mercy Seat“. Ein T.Rex-Cover. „Waiting for you“ vom neuen „Ghosteen“-Album. Das fantastische „Skeleton Tree“.

Tino Hanekamp hat in seinem im Herbst bei Kiepenheuer & Witsch erschienenen Essay über Cave den schönen Satz geschrieben: „Cash hat ihm die Haltung gegeben und Cohen die Sprache.“ Inzwischen ist er noch eine Schritt weiter gegangen. Er hat die Kraft gefunden, sich völlig zu öffnen, sich nackt und berührbar zu machen. So etwas hat man so noch nie erlebt.

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