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Theresia Philipp.
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Theresia Philipp.

Jazz

Theresia Philipp „Pollon With Strings“: Nicht nur zu Hause glücklich

  • vonHans-Jürgen Linke
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Theresia Philipps Doppel-Trio-Projekt „Pollon With Strings“.

Theresia Philipps Band „pollon“ ist ein improvisierendes Trio, das sich bevorzugt außerhalb der konventionellen Komfortzonen des Jazz bewegt – falls es im zeitgenössischen Jazz etwas wie Komfortzonen gibt. In diesem Trio fließt vieles zusammen, was an musikalischen Einflüssen und Traditionslinien sonst nicht unbedingt und schon gar nicht selbstverständlich und von allein zusammengehört. So ist das im europäischen Jazz. Und wer erwartet, dass die Bandleaderin Stücke komponiert und mit den anderen beiden Bandmitgliedern – Thomas Sauerborn, Schlagzeug, und David Helm, Bass – aufführt, liegt leicht daneben.

Pollon spielt also und führt improvisierend zusammen. Alle drei tun das mit einem hohen Maß an Klarheit und Eigensinn. Es gibt einen vergleichsweise breiten Konsens; der muss gelegentlich auf die Probe gestellt und ein wenig gedehnt werden.

So erweiterte Theresia Philipp das Trio vor einiger Zeit um ein Trio von Streichern und einer Streicherin – Axel Lindner, Geige, Radek Stawarz, Viola, und Elisabeth Coudoux, Cello – zu der Doppel-Trio-Formation „Pollon With Strings“. Was hier nun gespielt wird, geht doch wieder stärker als zuvor auf kompositorische Arbeit der Bandleaderin zurück.

Das Album

Theresia Philipp: Pollon With Strings. Float Music.

Theresia Philipp, die Saxophon und Klarinette spielt, denkt Musik mehrsprachig. Ihre prägenden musikalischen Erfahrungen machte sie an einem Musikgymnasium, das den Namen Carl Maria von Weber trägt; auch Kirchenmusik, besonders aus Kontexten östlicher Orthodoxie, fasziniert sie und spielt in ihrem Horizont eine Rolle. Zu Hause fühlt sie sich im Jazz. Aber wer mehrere Sprachen spricht, muss sich vielleicht nicht immer für nur eine davon entscheiden.

„Pollon With Strings“ behält sich synchrone Bewegungen in mehreren Ausdrucksräumen vor. Und es ist nicht so, dass das Streicher-Trio auf andere musikalische Wurzeln verweist als das Jazz-Trio. Immerhin können beide Formationen auffallend fugenlos miteinander arbeiten: Alle sechs sind, was ihre musiksprachlichen Vorlieben und Möglichkeiten anbelangt, nicht nur zu Hause glücklich. Und manchmal ist die Musik des Doppel-Trios für mehrere Augenblicke einfach nur schön, auf durchaus traditionelle Weise. Aber was für eine Traditionslinie wäre das jetzt?

Theresia Philipp schafft ein Gesamtereignis

In dem gemeinsam bearbeiteten musikalischen Kosmos spielt etwa eine orthodoxe Hymne (in „Trishagion“) eine tragende Rolle, und sie verharrt dort in angemessener Fremdheit. Schließlich ist diese im Ursprung byzantinische Musik nun wirklich keine landläufige idiomatische Quelle für zeitgenössische Improvisationsmusik. Der „Choral“, der das Album beschließt, wird nicht „verjazzt“ oder eingebiedert, sondern behält seinen erratischen Charakter. Dazwischen, davor, danach gibt es pointillistische Nervositäten („Secret Reality“), musikalisch formulierte Schwindelgefühle („Vertigo“) und Wahrheiten, die alles andere als einfach sind („Simple Truth“).

Das alles formt sich nicht zu einem bloß additiven Gebilde aus kontingenten Räumen, Traditionslinien und Materialien. In einer Art übergreifender Suchbewegung entsteht ein vielgestaltiges musikalische Gesamtereignis von starker innerer Kohärenz und erstaunlicher Klarheit.

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