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Nicht nur die Posen stimmen bei der chinesischen Pianistin Yuja Wang.
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Nicht nur die Posen stimmen bei der chinesischen Pianistin Yuja Wang.

Yuja Wang

Nicht nur Hummelflüge und Zauberlehrlinge

  • VonVolker Schmidt
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Eine fabelhafte Yuja Wang und weniger überzeugende Petersburger Philharmoniker beim Rheingau Musik Festival.

Als Johannes Brahms sein erstes Klavierkonzert schrieb, war er Anfang, Mitte 20; es war sein erstes orchestrales Großformat. Yuja Wang ist mittlerweile auch schon 30, pflegt aber weiterhin das Bild der jungen Ausnahmepianistin. Auch mit ihren auffälligen Outfits: Im Kurhaus Wiesbaden trug die gebürtige Chinesin ein hochgeschlitztes, schulterfreies Kleid in Metallfolienoptik.

Bekannt wurde Wang mit Stücken, in denen sie mit ihrer Technik brillieren kann, mit Hummelflügen und Zauberlehrlingen, mit Auftritten in der auf junges Publikum zielenden „Yellow Lounge“ ihres Labels Deutsche Grammophon und mit Youtube-Videos à la „7 Dynamic YUJA WANG Finales!!“ Über Rachmaninow, Ravel und jetzt Brahms arbeitet sie sich in solidere Gefilde vor.

Es gelingt ihr ausgezeichnet. Ihr Klang ist bis ins Detail durchmodelliert, jeder Akzent, jede Phrasierung, jeder Pedaltritt durchdacht. Die Hochgeschwindigkeitspassagen sitzen ebenso wie feingliedrigere, reduzierte Abschnitte. Sie hat sich dieses anspruchsvolle Konzert erarbeitet.

Von den Sankt Petersburger Philharmonikern lässt sich das leider nicht sagen. Nun ist Brahms’ Opus 15 ein merkwürdiger Bastard zwischen Fast-Schon-Sinfonie und einem Virtuosenvehikel – zu Beginn seiner Arbeit schrieb Brahms „Concert für das Pianoforte mit Begleitung des Orchesters“ über den ersten Satz. Das altehrwürdige Ensemble wird weder der einen noch der anderen Aufgabe gerecht.

Wo die Instrumentengruppen Raum zur Differenzierung hätten, verschwimmen sie in streicherlastigem Dunst. Wo sie sich zurückhalten oder gar in Dialog mit dem Flügel treten müssten, plustern sie sich zu sehr auf. Mancher zarte Nachhall im Adagio wird vom Blech zerblökt.

Vielleicht wirkt Yuja Wang deswegen ein wenig lustlos, als sie vor der Pause ihre Zugaben in den Saal wirft. Mozarts türkischen Marsch variiert sie mit gewagten Harmonien, dass es klingt, als traktiere Kater Tom die Klaviatur auf der Jagd nach Maus Jerry – ein Kabinettstück, mit dem sie gern ihre virtuosen Qualitäten, ihre Energie und ihren Humor zur Schau stellt.

Tschaikowskis „Schwanensee“-Suite nach der Pause sollte einem Klangkörper aus Sankt Petersburg so leicht fallen wie Pfeifen auf dem Schulhof. In der Tat harmoniert der Hang zu starken Farben und drastischer Dynamik, den die Petersburger unter den eigenwilligen Gesten von Yuri Temirkanov entfalten, hier deutlich besser als mit Brahms. Aber jetzt unterlaufen Präzisionsmängel und Intonationsschwächen, die sich ein Orchester dieser Liga nicht erlauben darf. Und vielleicht sollte mal jemand Yuri Temirkanov, seit 1988 (!) Chefdirigent, schonend beibringen, dass selbst die schwelgerischsten Tutti irgendwann ermüden.

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