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Nicht am Ende, sondern mittendrin

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Endrik Wottrichs Tenor galt lange als robust, eher burschikos als lyrisch. Ein Nachruf.

Endrik Wottrich, der 1992 als Cassio im „Otello“ in Wiesbaden debütierte, hatte seine großen Erfolge im deutschen Fach. Daniel Barenboim holte ihn früh an die Berliner Staatsoper, von der aus Wottrich, 1964 in Celle geboren, eine internationale Karriere startete: Von Mozarts Tamino hin zu Wagners Siegmund.

Wottrichs Tenor galt lange als robust, eher burschikos als lyrisch. Ab 1996 sang er viele Jahre in Bayreuth, wo er 2004 mit „Parsifal“-Regisseur Christoph Schlingensief aneinandergeriet. Da Wottrich zu dieser Zeit mit Katharina Wagner liiert war, die ihrerseits Schlingensiefs Assistentin war, trug der Streit boulevardeske Züge. Wottrich, herzhaft schimpfend, machte dabei keine gute Figur. Bald wuchsen sich Absagen zu kleinen Dramen aus. Wie könne ein Sänger im entscheidenden Moment krank werden, wollte ein Interviewer 2007 wissen, und Wottrich ging auf die dumme Frage ein: „Vielleicht, weil man zu viel Stress erlebt, vielleicht aber auch, weil die ganze Opernwelt krank ist und es kein Wunder ist, wenn allmählich auch die Sänger krank werden.“

Wottrich war aber nicht am Ende, sondern mittendrin. Zuletzt sang er den Hagenbach in Catalanis „La Wally“ an der Volksoper Wien. Oft hatte er sich mehr Italienisches gewünscht. Keiner kann sagen, wie es weitergegangen wäre. Irrwitz, dem Tod Logik zuzubilligen. Am 26. April ist Endrik Wottrich, wie am Wochenende bekannt wurde, 52-jährig an Herzversagen gestorben.

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