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Neujahrskonzert in der Alten Oper Frankfurt: Folklore ist die Basis

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Von: Bernhard Uske

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Junge Deutsche Philharmonie spielt beim 1822-Neujahrskonzert in der Alten Oper mit Kodály, Ligeti und Bartók auf.

Der Jahresbeginn in der Alten Oper war ungarisch geprägt und bescherte dem Publikum des 1822-Neujahrskonzerts das Griffigste, was die Namen Zoltan Kodály, György Ligeti und Bela Bartók zu bieten haben. Dazwischen die „Folksongs“ des Italieners Luciano Berio, die er 1964 für Sopran und Instrumentalseptett schrieb. Folklore war auch die Basis bei Kodalys „Tänze aus Galanta“ und Ligetis „Concerto Romanesc“. Die Junge Deutsche Philharmonie spielte nach zweijähriger Corona-Pause wieder zum neuen Jahr auf und stand unter der Leitung des unaufwändig dirigierenden Sir Mark Elders.

Der gab der Tanzsuite Kodálys mehr rhythmisches Profil denn schwermütigen und versonnenen Zug, wie er in einzelnen Sätzen und Partien vorherrscht. Wobei die Streicher, wie den gesamten Abend über, ein zwar feines aber auch etwas flächiges Profil boten. Das kam sicherlich dem auf Durchhörbarkeit setzenden Ansatz des Dirigenten entgegen, von dem die sich anschließenden Folksongs des zur Avantgarde der 60er Jahre zählenden Berio profitierten. Berio hatte als erster die Öffnung zu bildhaften, narrativen und volkstümlichen Sphären gefunden – noch bevor der Begriff der Postmoderne auch in der Neuen Musik reüssierte.

Jetzt sang die jugendliche Fleur Barron die einst für Cathy Berberian geschriebenen, autochtonen Lieder, die der Komponist nur harmonisch und instrumental modifiziert hatte. Der leichthändig-schwebende, gestisch vagierende Duktus machte der Mezzosopranistin mit irischen Wurzeln in der intonatorischen Fixierung einige Schwierigkeiten, die durch Vibrato nicht kleiner wurden. Gegen Ende kam Stabilität in den Zyklus, der sich in der nicht unbedingt treffenden großorchestralen Fassung des Komponisten von 1973 präsentierte.

Ligetis Werk war der konventionellste Programmbeitrag. Gleichwohl konnte man sich in die ruckartigen Wechsel und ratternden Rhythmusgitter des balkanesischen Klangpopulismus den späteren Meister rotierender Klangfiguren hineinprojizieren. Zuletzt Bela Bartóks im US-amerikanischen Exil entstandenes „Konzert für Orchester“. Nostalgische Blicke eines Entwurzelten auf die eigene Geschichte, die im Schicksal eines Anywhere endete. Da halfen auch Bartóks Jazzanspielungen im finalen Satz nicht, und der Schuss aus der Konfetti-Kanone mitsamt drei britischen Klangschmankerln als Zugabe vermochten ebenso nicht wirklich Stimmung zu machen.

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