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Das hr-Sinfonieorchester, strömend.
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Das hr-Sinfonieorchester, strömend.

hr-Sinfonieorchester

Neue Musik im hr-Konzert: Keine geraden Linien mehr

  • VonBernhard Uske
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Neue Musik mit Orgeln, gespielt vom hr-Sinfonieorchester.

Die Solo-Instrumente im Konzert mit Neuer Musik des hr-Sinfonieorchesters, das live aus dem Sendesaal gestreamt wurde, waren zwei Orgeln. Die eine, seit 3000 Jahren bekannt, hat als Blasebalg die Lunge des Spielers und wird in der Hand gehalten. Die andere, mit Tastatur und Pfeifenregister, vor knapp 1300 Jahren entstanden, befindet sich meist in Kirchen und Konzertsälen. Erstere ist in China, letztere im Abendland heimisch.

Das scharfe und spitze Timbre der Mundorgel Sheng war Mittelpunkt eines Werks des 72-jährigen finnischen Komponisten Jukka Tiensuu, das den Titel „Teoton“ trägt und 2015 entstand. Eine Kreation mit viel tänzerischen und staccatohaften Concerto-Gesten, die schnell und kleinteilig artikuliert werden. Einmal wirkte das wie ein verfremdetes rossinisches Sequenzen-Jagen; als wenn Wilhelm Tell statt mit einer Trompete mit der Mundorgel die Befreiungsfanfare hätte ertönen lassen. Involvierend war das Spiel Wu Weis, der wie mit seinem Instrument verschmolzen schien. Blendend das markante Agieren und die Behändigkeit der hr-Sinfoniker unter Leitung des 45-jährigen russisch-finnischen Dirigenten Dima Slobodeniouk.

Mit 56 Registern, drei Manualen sowie Pedal ist die Foerster & Nicolaus-Orgel ausgestattet, die im Sendesaal des Funkhauses seit 1958 installiert ist. An ihr spielte die finnische Konzertorganistin Iveta Apkalna souverän ihren Part in „Voice of the Ocean“, einem Werk für Orgel und Streichorchester, das Eriks Ešenvalds, ein 44-jähriger lettischer Komponist, 2014 komponiert hat. Das Werk weist eine klare anti-avantgardistische Tendenz auf und erinnert an Francis Poulencs neo-klassizistisches Orgelkonzert. Nur ist hier sowohl das Süßliche als auch das Pastose dicker aufgetragen. Interessant, dass im Chat zum Konzert die tonale Faktur Liebhaber der Neuen Musik genau so empörte, wie es einst die Neue Musik konservative Hörer tat.

„Quicksilver“ hat die 37-jährige Serbin Milicia Djordjevic 2016 komponiert: eine Art Parallelaktion zu plastischen und illustren Vorgängen, die diesem Metall eigen sind. Klangschichtungen und -schiebungen ergaben sich, die einer durchaus geläufigen, dräuend-flächigen Dissonanz verbunden sind und auch für ganz andere Assoziationen stehen könnten.

Vom 49-jährigen Finnen Sebastian Faberlund erklang „Isola“ (2007): eine „von allem etwas“ A-Komposition. Ideales Mash-up: melodisch-rhythmisch treibend, filmisch assoziativ, figürlich griffig. Eine letzte Erfahrung, dass es mit dem Fortschritt der musikalischen Fraktionen auf gerader Linie und in korrektem Maßstab zu Ende geht.

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