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Neil Young
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Neil Young steht im Hier und Jetzt.

Barn

Neil Young & Crazy Horse: Kompromissloser Gitarrenrock

Viele Musiker legen im Dezember ein Weihnachtsalbum vor. Nicht so Neil Young. Die Rock-Ikone und die Kultband Crazy Horse präsentieren zehn neue Songs mit bestechender Bildersprache und klarer Botschaft.

Berlin - Hobbybastler gehen zum Werkeln gerne in den Keller, Musiker hingegen verkrümeln sich oft in eine Garage - oder in eine Scheune, wie der große Erzähler Neil Young.

Der mittlerweile 76 Jahre alte Kanadier hat noch einmal seine legendäre Band Crazy Horse zusammengetrommelt und in einem zum Tonstudio ausgebauten Schuppen in den Rocky Mountains ein grandioses Album aufgenommen: „Barn“ - zu Deutsch: Scheune.

In dem restaurierten Stall aus dem 19. Jahrhundert gelangen dem Quartett zehn Lieder voller Melancholie und Kraft - und mit großer Spielfreude. Das zeigt bereits der zarte Opener „Song Of The Seasons“. Sparsam mit Gitarre und einem wunderbaren Akkordeon eingespielt - und durchaus politisch. Der Mund-Nase-Schutz in der Zeile „Überall gehen maskierte Menschen/Die Menschlichkeit im Visier“ könnte als aktueller Kommentar zur Corona-Pandemie verstanden werden.

Und ist die Strophe „Ich sehe den Palast, wo noch die Königin regiert/Hinter ihren Mauern und einsamen Toren/Der König ist jetzt weg und sie bleibt“ nicht eine Anspielung auf eine einsame Königin Elizabeth II. nach dem Tod ihres Mannes Prinz Philip?

Dämonen der Jugend

Das erste Lied setzt den Ton - intim und nostalgisch. Daran knüpft „Heading West“ an, in dem Young von der Scheidung seiner Eltern erzählt, als er zwölf Jahre alt war. Mit seiner Mutter fuhr er in einem kleinen Auto weg, später kaufte sie ihm seine erste Gitarre.

„Good old days, good old days“, erinnert sich Young, und ständig droht seine markante Fistelstimme abzukippen. Hier singt jemand auch gegen die Dämonen einer schwierigen Jugend an, begleitet vom stampfenden Sound der Band: Bassist Billy Talbot (78), Schlagzeuger Ralph Molina (78) und Gitarrist Nils Lofgren (70). „Was für ein großartiger Ritt mit dem Pferd in diesem Fall“, kommentiert Young das wuchtige Lied in Anspielung auf den Bandnamen.

Neil Young & Crazy Horse veröffentlichten ihr Debüt „Everybody Knows This Is Nowhere“ bereits 1969. Mehr als fünf Jahrzehnte ist das her. Young sei der „neben Bob Dylan wichtigste Rock-Komponist und -Performer, den Nordamerika hervorgebracht hat“, meinte die „New York Times“ einmal. Auf „Barn“ beweist die Gruppe und vor allem ihr Frontmann, dass sie im Hier und Jetzt stehen.

In „Canerican“ (ein Mischwort aus Canadian und American) schildert Young die Zerrissenheit zwischen seinem Herkunftsland Kanada und der Wahlheimat USA. Auch um Präsident Donald Trump abwählen zu können, nahm er unlängst die US-Staatsbürgerschaft an. „Ich sah die Veränderung kommen“, singt er trotzig.

Umweltschutz und Fortschrittskritik

Mit „Human Race“ ist Young bei seinem derzeitigen Lieblingsthema angelangt. Von einer sägenden Gitarre unterlegt, übt der vielfach für den Umweltschutz engagierte Songwriter beißende Fortschrittskritik. „Wohin retten sich die Kinder vor Feuer und Fluten“, heißt es unter anderem - Schlagzeug und Bass wummern wie Dampfhämmer. Der hymnische Song verklingt wie ein Donnergrollen. Leugnern des Klimawandels zeigen Young und seine Mitstreiter hier nicht belehrend den Zeigefinger, sondern eher wütend den Mittelfinger.

Höhepunkt eines an Glanzpunkten reichen Albums ist das mehr als acht Minuten lange „Welcome Back“, in dem es heißt: „Ich werde dir jetzt ein altes Lied vorsingen/Eines, das du schon einmal gehört hast/Es könnte ein Fenster zu deiner Seele sein“. Ein episches Lied voller Sehnsüchte, das unter die Haut geht.

Doch bevor es zu ernst wird in der Scheune, legen die raubeinigen Rock-Veteranen auch zwei launig einspielte Piano-Balladen hin - eine davon als Hommage an Hollywood-Schauspielerin Daryl Hannah, mit der Young seit 2018 verheiratet ist. „Barn“ klingt versöhnlich aus und bleibt doch ein eindringliches, stilprägendes Album. dpa

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