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Nada Surf in der Batschkapp: Egal, wir feiern eine Party

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Von: Stefan Michalzik

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Drei Songs – immer wieder neu: Nada Surf in der Batschkapp.

Es ergebe keinen Sinn, über Relevanz nachzudenken, hat Matthew Caws, der Kopf von Nada Surf einmal gesagt. Eine gesunde Haltung wohl, wenn es um das sprichwörtliche Streben nach dem perfekten Popsong geht. Und darin sind Nada Surf schon seit Erscheinen ihres Debüts „High/Low“ (1996) groß. Der ungetrübt sonnige, melodisch-harmonische und gitarrenlastige Sound der New Yorker Slacker, der in Momenten eine gewisse Affinität zum Folkrock der Byrds hat, erfreut Kritiker wie Fans auch auf der langen Karrierestrecke.

Sonderlich viel Publikum gab es an diesem Abend in Frankfurt allerdings nicht. Die Konzertbranche ist nach wie vor beeinträchtigt, mehr noch als bei anderen blieb der Vorverkauf hinter den Erwartungen zurück, weshalb das Konzert kurzerhand von der Halle in den Sommergarten der Batschkapp verlegt wurde.

Zugespitzt gesprochen, variieren Nada Surf drei Songs immer wieder aufs Neue. Der eine geht hymnisch-druckvoll – Marke Powerpop – nach vorne weg, Midtempo charakterisiert den zweiten, beim dritten handelt es sich um die Ballade, mit Nähe zu ebendieser im Metal. Doch mit imponierender Meisterschaft verstehen Nada Surf sich darauf, die drei Songs auf das Ausgefeilteste immer wieder neu zu schreiben. Um eine Neuerfindung der Popmusik ist es dem einstigen Trio und heutigen Quartett ohnehin nie gegangen.

Abweichung von der Norm

Seine Stimme sei hoch gewesen – das ist sie heute noch, gerne auch treibt er sie in die Falsettlage -, singt Matthew Caws in „Mathilda“, einer Nummer vom Album „Never Not Together“ (2020). Mit dem Frauennamen sei er als Kind ob seiner androgynen Gestalt gehänselt worden. Da geht es um die Abweichung von der Norm und um Zweifel an der eigenen Identität im Spiegel der Gruppe.

Egal wie sonnig sich die Songs musikalisch darstellen mögen, unter der Oberfläche geht es um etwas. „Just try to be good and be less fake“: von derart simpler Art wie in dem Song „So Much Love“, mit dem das Quartett das Konzert eröffnet, sind allerdings bisweilen die Weisheiten und Appelle in den klassischen Dreiminütern. Direkt ratgeberhaft ist „Something I Should Do“, mit einem Lobpreis der Empathie in appellativem Sprechgesang. Im Repertoire des Abends fand sich auch ein ansehnlicher Transfer des Pixies-Songs „Where Is My Mind?“ in den Nada-Surf-Sound.

Zunehmend höher schlugen die Wogen der Begeisterung, gesteigert in der Zugabe bei dem frühen Hiterfolg „Popular“ und erst recht dem Rausschmeißer „Blankest Year“ (2005). Dessen trotzige Zeile „Oh, fuck it, I’m gonna have a party“ schmetterte schließlich das Auditorium mit.

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