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Die italienische Sängerin Milva. (Archivbild)
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Die italienische Sängerin Milva. (Archivbild)

Musik

Nachruf auf Milva: Hingabe an die Leidenschaft

  • Harry Nutt
    vonHarry Nutt
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Die italienische Sängerin Milva ist im Alter von 81 Jahren gestorben.

Im deutschen Sprachraum darf die italienische Sängerin Milva allein dafür gerühmt werden, dem überwiegend einfältigen Schlagergenre auf die Sprünge geholfen zu haben. Ende der 70er-Jahre wurde ihr Lied „Zusammenleben“ nach der Musik des griechischen Komponisten Mikis Theodorakis zu einem lange nachhallenden Hit, der nicht zuletzt dadurch bestach, dass Milva darin ihren kaum zu verbergenden Akzent zu einem Charaktermerkmal machte. Das Stück handelte von der leidenschaftlichen Liebe einer emanzipierten Frau, und Milva scheint darin jedes gesungene Wort auf die Goldwaage legen und so vom Verdacht schlagerhafter Banalität befreien zu wollen. „Ich mag dich, weil du klug und zärtlich bist“ lautet die Kernzeile dieses Liebesliedes zwischen Hingabe und Selbstbehauptung.

Der deutsche Text von Thomas Woitkewitsch, der später auch Ennio Morricones „Freiheit in meiner Sprache“ und Klaus Doldingers „Hurra, wir leben noch“ zu einer deutschen Milva-Version verhalf, wurde unterstützt durch ihre glamouröse Erscheinung, die vor allem durch ihre feuerrote Haarpracht auffiel. Milvas Bühnenpräsenz und die Auswahl der Komponisten ließen alles, was sie in Angriff nahm, als ambitioniertes Programm erscheinen.

Die 1939 in Goro in der Emilia-Romagna geborene Milva reüssierte zu Beginn der 60er-Jahre beim legendären Schlagerfestival in San Remo und profilierte sich über die Zusammenarbeit mit dem Regisseur Giorgio Strehler am Mailänder Piccolo Teatro. Ihr größter italienischer Hit war das Stück „Tango italiano“, mit dem sie in San Remo 1962 allerdings nur auf den zweiten Rang kam. Der Titel schien ihr aber bereits früh den Weg zum Tango zu bereiten, den sie mit Interpretationen des argentinischen Bandoneonspielers und Komponisten Astor Piazzolla weiter beschritt und der schließlich auch zu einer direkten Zusammenarbeit mit Piazzolla führte.

Für die politisch sich im Umfeld der italienischen Linken engagierende Milva, deren bürgerlicher Name Maria Ilva Biolcati lautete, war es naheliegend, sich mit dem Liedgut von Kurt Weill und Bertolt Brecht zu befassen. Nachdem sie 1970 ein Album mit Stücken von Edith Piaf vorgelegt hatte, hieß es bereits ein Jahr später: „Milva canta Brecht“. Als Chansoniere war sie bald in vielen Ländern gefragt und sang dabei in zahlreichen Sprachen, darunter Englisch, Deutsch, Französisch, Spanisch, Griechisch, Portugiesisch und Japanisch. Milva verkörperte die kraftvolle Eigenwillige und Schöne, die als Charakterdarstellerin ihrer selbst auch Gastrollen in bedeutenden Filmen übernahm, etwa in Wim Wenders’ „Der Himmel über Berlin“, Krzysztof Zanussis „Wo immer du bist“ oder auch in Werner Herzogs „Gesualdo – Tod für fünf Stimmen“.

Mit dem Texter, Drehbuchautor und Fernsehproduzenten Thomas Woitkewitsch, der auch den niederländischen Liedermacher Herman van Veen für Deutschland entdeckt hatte, erarbeitete Milva 1978 das Album „Von Tag zu Tag“ mit Liedern von Mikis Theodorakis, das hierzulande ihr erfolgreichstes blieb. Milva, die 2010 ihren Rücktritt von der Bühne aus gesundheitlichen Gründen vollzog, ist nun im Alter von 81 Jahren gestorben.

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