1. Startseite
  2. Kultur
  3. Musik

Nachruf auf Gary Brooker: Blasser als bleich

Erstellt:

Von: Harry Nutt

Kommentare

Gary Brooker.
Gary Brooker. © dpa

Seine berückende Stimme machte Procol Harum besonders: Zum Tod von Gary Brooker

Die Hammond-Orgel gab den Ton vor für eine Generation im Aufbruch. Aber anders als in Scott McKenzies „San Francisco“, worin eine konkrete Ortsangabe und Kleidungsvorschriften – Blumen im Haar – gemacht wurden, war das im Jahr 1967 herausgekommene Lied „A Whiter Shade Of Pale“ düster gefärbt. Eine gewisse Grundlosigkeit schwebte im Raum, und irgendwas machte seekrank. Zuviel Alkohol?

Von weiteren Drinks ist die Rede, aber das Schwinden der Sinne lässt andere Substanzen vermuten. Es war, als würde die Zimmerdecke abheben, und das Gesicht einer jungen Frau wurde blasser als bleich. All das wurde vorgetragen mit Gary Brookers berückender Stimme. Trotz der bedrohlichen Beschreibung eines wilden Drogenrauschs hatte der schnell zum Hit werdende Song von der Band Procol Harum etwas Sehnsuchtsvolles, sogar Beruhigendes. Ein Märchen wird erzählt, und obwohl die Augen weit aufgerissen sind, hätten sie genauso gut auch geschlossen sein können.

Mathew Fisher, Keith Reid und Gary Brooker hatten ihre Band Procol Harum in dem Jahr gegründet, als die Beatles mit „Stgt. Pepper“ den Startschuss für die psychedelische Bewegung in Mode und Pop abgegeben hatten: Der Bandname ist ähnlich rätselhaft wie „A Whiter Shade Of Pale“. Angeblich basiert er auf einem Schreibfehler, die Anlehnung an das lateinische Idiom für „fern vom Hier und Jetzt“ wäre passend gewesen, hätte dann aber „procul his“ lauten müssen.

Getragen wurde der Sound, der heute als Erkennungsmelodie seiner Zeit gilt, von Johann Sebastian Bachs und Georg Friedrich Händels Air beziehungsweise Aria. Rock goes Classic – gerade in dieser mittleren Phase des Rock, als John Lord von Deep Purple und Keith Emerson von Nice die Orgel zu signifikanten Instrumenten ihres oft lauten, manchmal leisen Klangempfindens machten.

Erfolg und Unabhängigkeit

Gary Brooker, 1945 in London-Hackney geboren, hatte als 17-Jähriger 1962 die Band The Paramounts mitbegründet, die in nahezu identischer Besetzung die Vorgängerformation von Procol Harum war. Der riesige Erfolg von „A Whiter Shade Of Pale“ verhalf nicht nur zu frühem Ruhm, sondern auch zu einer gewissen Unabhängigkeit, die Procol Harum eine experimentelle Richtung einschlagen ließen, die schließlich in ein Live-Album mit dem Edmonton Symphony Orchestra mündete. Die Version des Stücks „A Salty Dog“ wurde insbesondere in dieser Version zu einem weiteren Hit.

Nach der Auflösung von Procol Harum im Jahr 1977 machte Gary Brooker solo weiter und spielte bei Produktionen von Paul McCartney und George Harrison, er assistierte aber auch dem ambitionierten Alan Parsons Project sowie Kate Bush. Später kam Procol Harum wieder zu nostalgischen Erinnerungen an den Sound der frühen Jahre zusammen.

In der vergangenen Woche ist Gary Brooker an den Folgen einer Krebserkrankung im Alter von 76 Jahren gestorben.

Auch interessant

Kommentare