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Dani Filth von Cradle of Filth.
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Dani Filth von Cradle of Filth.

Cradle of Filth in Frankfurt

Nachgestellte Provokationen

  • VonNicklas Baschek
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Moonspell und Cradle of Filth mit Pathos und witzigem Spuk in der Frankfurter Batschkapp.

Es ist das erste Mal, dass ich die Frankfurter Batschkapp halbiert sehe, ein schwarzer Vorhang trennt den hinteren Bereich ab, es ist gemütlich und schummrig. Moonspell aus Portugal beginnen. Sänger Fernando Ribeiro trägt ein Kreuz auf die Bühne. Ich schaue mich um: Disbelief, Devil’s Soldiers, Moonsorrow, Judas Priest. Bei einem steht riesig „Jesus“ auf dem Shirt, etwas darunter, ich kann es nicht lesen. Es ist auch egal, selbst in der Umkehrung bleibt der religiöse Bezug präsent. Alle prägnanten Begriffe des Metal sind säkularisierte theologische Begriffe.

Das ist deswegen so komisch, weil die Religion doch mutmaßlich eine kleine Rolle im Leben von uns allen hier spielen dürfte. Womöglich war das früher, auf dem Dorf, mal anders, da hatte Marilyn Manson noch Shock Value. Jetzt, hier, spielt die Religion keine große Rolle mehr, sie bleibt in den leeren Zeichen präsent, aber das ist eine Nachstellung von Kämpfen und Provokationen, die früher mal waren, woanders.

Wobei es schon passt zu diesem Abend, zumindest gefühlsmäßig: Im Hintergrund ein riesiges Banner mit einem Kirchengewölbe, die ritualisierten Abläufe des Konzerts, die Fähigkeit der Band, dieses Pathos auszuhalten ohne ironische Distanz. So gesehen sind Moonspell wie der eine Gottesdienst im Jahr zu Weihnachten, wo sie alle hingehen, vielleicht, um sich vor der eigenen Familie in eine Stunde Ruhe zu retten.

In gelbes und blaues Licht getaucht

Es ist wie auf all meinen Konzerten mit diesen Größen aus den Neunzigern, die Leute um die Vierzig, nette Atmosphäre, rücksichtsvoller Umgang, die Klamotten sind, womöglich, nur an Abenden wie diesem in Benutzung. „Ah, Nostalgia grows.“ In der Pause unterhalte ich mich mit meiner Begleitung über damals. Er veranstaltete früher Konzerte in einer Kleinstadt. Da kamen dann irgendwann Poems for Laila. Sie kosteten zehntausend Mark. Im Backstage, vor dem Auftritt, fragte einer die Neunzehnjährigen: „Könnt ihr Koks besorgen?“

Cradle of Filth kommen auf die Bühne, sie ist in gelbes und blaues Licht getaucht. Ein gutes Konzert ist eines, bei dem sich nachdenken lässt und hier geht vieles schön durcheinander: Es klingt ernst und drastisch. Es ist aber gleichzeitig ein witziger Spuk voller Makeup, Teufelshörnern und Kitsch. Das hier hat mit dem rohen Black Metal der Norweger, der dem Punk näherstand, nichts mehr zu tun, es ist symphonisch und groß und romantisch verstrahlt. Einzig etwas lang wird das Konzert schon, irgendwann ist es mal gut mit Kerker, Folter, Tod. Daumenschrauben, Hexenproben, Vierteilen. Erst singen sie vom Weltunterjochen und dann beschweren sie sich darüber, dass Mittwoch ist und deswegen das Konzert nicht ganz so heftig ausgehen darf.

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