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Montserrat Caballé bei einem Auftritt 2007. Felix Ordonez/rtr

Montserrat Caballé

Der Mut, laut zu lachen, leise zu singen und lange weiterzumachen

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Montserrat Caballé war eine der großen, nein, der göttlichen Diven, die auch für zeitgenössische Musik offen war. Legendär ist ihre Zusammenarbeit mit dem Queen-Sänger Freddie Mercury. Ein Nachruf.

Sie, die es als Teil ihres Berufes ansah, stets frisch und fidel aufzutreten, und als Teil ihres Wesens, durchaus berüchtigt laut zu lachen, war singend doch eine Meisterin des virtuosen und höchst beweglichen Belcanto. „Laute Töne hat jeder, mehr Mut braucht es für das Leise“, sagte sie 2008 im FR-Gespräch – da stand sie vor ihrem 75. Geburtstag und war im Begriff, zu einer neuerlichen Deutschland-Tournee aufzubrechen. Mit 85 Jahren ist die spanische Sopranistin Montserrat Caballé jetzt in ihrer Heimatstadt Barcelona gestorben – im Krankenhaus, nicht auf der Bühne, wie sie es sich gewünscht und wie sie es gewissermaßen auch angestrebt hatte, indem sie ihre Karriere nie offiziell beendet. Noch in diesem Frühjahr hatte sie, berichtet die Deutsche Presse-Agentur, einen Auftritt in Kiew. An der Seite ihrer Tochter – der Sopranistin Montserrat Marti – sang sie vom Rollstuhl aus, vom Publikum mit Ovationen bedacht.

Eine fabelhafte Karriere, auf ihrem Höhepunkt in der Zeit der großen, nein, der göttlichen Diven – dass sie sich selbst nicht als eine sehen wollte, die Zuschreibung stets (laut lachend) zurückwies, war vielleicht Koketterie, vielleicht auch der Versuch, einem Rollenklischee zu entkommen, dem sie zu gerne – teils bewundernd, teils auch ein bisschen abwertend – zugeordnet wurde. Als Maria Callas 1977 starb, sah die Opernwelt in Montserrat Caballé eine legitime und würdige Nachfolgerin.

Dabei stammte Caballé, 1933 geboren, aus einer Arbeiterfamilie, arbeitete als Näherin, konnte ihre Gesangsausbildung nur mit der Hilfe von Mäzenen finanzieren. Als Bühnensängerin startete sie in Basel und Bremen, so dass sie gut Deutsch mit legendärem Akzent sprach. Hier bewegt man sich auf einer Ebene, auf der die meisten Dinge legendär sind, wobei die Diva selbst auf die Menschen, die ihr begegneten, freundlich und bodenständig wirkte. Die Meinungen darüber gehen jedenfalls auseinander, ob ein Wort zu verstehen war, wenn sie etwa die Marschallin im „Rosenkavalier“ sang. Die Meinungen darüber gehen nicht auseinander, dass sie in ihren großen Jahren über eine stupende Technik verfügte, wofür auch spricht, dass sie ihre Stimme nicht bis zuletzt, aber doch noch sehr lange in einer guten Verfassung erhalten konnte. In den neunziger Jahren hörte man sie in Frankfurt ohne peinliche Empfindungen.

Ihren Durchbruch als Sängerin hat sie Mitte der Sechziger als Einspringerin in einer konzertanten „Lucrezia Borgia“ in der New Yorker Carnegy Hall. Fortan ist sie in großen Mozart- und Strauss-, Bellini-, Verdi- und Puccini-Partien in aller Welt zu erleben. Dass sie sich wenig für Regiearbeit interessiert, spielt damals noch keine große Rolle, es sind die – an etlichen Häusern noch immer nicht zu Ende gegangenen – Tage des Rampensingens. Wie viele große Kollegen setzt sie dazu auf Konzerte mit Galaauftritten und dem, was heute Crossover heißt.

Dass sie sich auch für zeitgenössische Musik offen hält, kommt selten in den Blick. Montserrat Caballé gehört jedoch zu den Neugierigen ihres Fachs, hilft bei der Wiederentdeckung verlorengegangenen Belcanto-Repertoires und gilt als Förderin des Nachwuchses (etwa als Entdeckerin des damals jungen Tenors José Carreras).

Legendär, nun wirklich legendär, auch ihre Zusammenarbeit mit dem Queen-Sänger Freddie Mercury. Mit ihm nimmt sie eine LP auf, zu der auch der Song „Barcelona“ gehört. Dass der Hit 1992 zur offiziellen Olympiahymne wird, katapultiert die Opernsängerin noch einmal in ganz andere Bezirke des Ruhms. Diese führen zu Autogrammwünschen, weil sie doch die sei, die mit Freddy Mercury gesungen habe (wie sie laut lachend erzählt). Diese führen sie auch nach Berlin, um zum Festakt vor dem wiedereröffneten Brandenburger Tor zu singen, sie führen in die „Wetten dass“-Sendung, und sie führen zu einem kuriosen Kirchenauftritt bei einem Leipziger Gothic-Treffen.

Mit der ihr eigenen Gutmütigkeit macht sie alles mit, präsentiert Talent-Shows im Fernsehen, engagiert sich sozial und versorgt hoffentlich auch ihre Familie gut. Und sie bekommt wegen umfangreicherer Steuerhinterziehung ab 2011 behördlichen und schließlich gerichtlichen Ärger. 2015 kommt es zur Gerichtsverhandlung in Spanien, die mit einer größeren Rückzahlung zu Ende geht. Gesundheitlich mehren sich die Probleme. Montserrat Caballé arbeitet aber weiter, sobald es wieder geht.

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