Der „Zu Asche, zu Staub“-Tanz im Moka Efti: Szene aus „Babylon Berlin“. Frédéric Batier / X Filme 2017
+
Der „Zu Asche, zu Staub“-Tanz im Moka Efti: Szene aus „Babylon Berlin“.

Moka Efti Orchestra

Musik aus „Babylon Berlin“: Und wie es danach weitergeht

  • Harry Nutt
    vonHarry Nutt
    schließen

Das Moka Efti Orchestra aus „Babylon Berlin“ stellt sein erstes Album vor.

Wenn tonsicher ein Tango aus Blechblasinstrumenten herausgequetscht wird, tendieren die Gefühle nicht selten ins Abgründige – und schreiten dann doch in pathetischer Eleganz darüber hinweg. „Und wie es weitergeht, und wie die Welt sich dreht“, heißt es in dem mehr gesummten als gesungenen „Fatalist Tango“ des Moka Efti Orchestras, „ist mir egal.“

Man ist versucht zu ergänzen: scheißegal. Aber das wäre völlig falsch, denn bei den Klangimitaten, die das Moka Efti Orchestra rund um die zwanziger Jahre, oder das, was man gemeinhin für das Charakteristische der Epoche hält, arrangiert hat, kommt es auf stilistische Präzision und Takt nicht nur in musikalischer Hinsicht an.

Bei aller Lust an der Übertreibung geht es bei der von Nikko Weidemann, Mario Kamien und Sebastian Borkowski geleiteten Formation um Stimmigkeit und launig forcierte Paradoxien. Denn im Grunde ist alles an der 14-köpfigen Bigband, die ursprünglich zur Hervorbringung eines originellen Soundtracks für die TV-Serie „Babylon Berlin“ ins Leben gerufen worden war, Zitat.

Das gilt zuallererst für den Namen selbst, der auf das legendäre Tanzlokal Moka Efti am Tiergarten verweist, und in dem im Film der Roxy-Music-Sänger Brian Ferry einen ganzen Song lang auf der Bühne stand. Auch das ein filmisches Zitat, denn 2013 hatte Brian Ferry seinen Song „Love Is The Drug“ zu Baz Luhrmanns Film „The Great Gatsby“ beigesteuert.

Die kleine, improvisierte Bühne im Ballhaus Berlin in der Chausseestraße, wo das Moka Efti Orchestra sein soeben erschienenes Debütalbum vorstellte, war räumlich deutlich enger als die Filmbühne, und so schienen sich die einzelnen Musiker während des unterhaltsamen Abends immer wieder mit einem Solo – Klarinette, Bassposaune, Violine und Trompete – etwas Luft verschaffen zu wollen.

Das Album trägt den Titel „Erstausgabe“ und ein anschwellender Geburtsstolz war es dann auch, der die Record-Release-Party zu einem entspannten Live-Erlebnis machte. Das Moka Efti Orchestra ist als Zufallsprojekt entstanden und durch die Hinzuziehung eines Gastes wie Moritz Krämer von dem Projekt Die höchste Eisenbahn scheint man sich den Charakter der spontanen Zusammenkunft bewahren zu wollen.

Jazz, Swing, Ragtime und Schlager kulminierten so zu einem fröhlichen Stilmix, der zum Tanzen einlud, um schließlich doch auf seinen hymnischen Höhepunkt zuzusteuern, wenn die statuarische litauische Sängerin, Regisseurin und Komponistin Severija Janušauskaité zu ihrem Filmhit „Zu Asche, zu Staub“ anhebt. Ein Zitat inzwischen auch das, denn natürlich schüttelt man auf dem Nachhauseweg dieses Zarah-Leander-Gefühl nicht mehr ab. Aber warum sollte man auch?

Moka Efti:Erstausgabe. Motor Entertainment.

Kommentare