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Museumsorchester: Die gepflegte und die unregulierte Romantik

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Von: Bernhard Uske

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Sebastian Weigle.
Sebastian Weigle. © Wolfgang Runkel

Sibelius und Bruckner beim Frankfurter Museumskonzert.

Sie gehören in die romantische Epoche, die beiden Werke, die im vorletzten Konzert der Saison der Museumsgesellschaft im Großen Saal der Alten Oper Frankfurt erklangen. Das d-Moll-Violinkonzert von Jean Sibelius und Anton Bruckners 1. Sinfonie. Aber das Gemeinsame des Idioms hat einen divergenten Habitus und ließ Ungleichartigkeit und regelrecht negative Korrespondenz erkennen.

Bevor die Freunde mitredeten

Das Sibelius-Konzert von 1904 ist das gepflegtere und perspektivisch beschränktere Werk, obwohl es knapp vierzig Jahre nach der Bruckner-Sinfonie entstanden ist. Deren ursprüngliche, noch nicht von wohlmeinenden Freunden beratene und regulierte Fassung, die „Linzer Fassung“, lag auf den Pulten des Museumsorchesters und dem Pult seines Noch-Chefs, Sebastian Weigle. Es ist diejenige Fassung, die mit ihren unvorhersehbaren, disparaten, unübersichtlicheren Ausformungen einen ungebärdigen, assoziativ wechselhaften und ruckartigen Verlauf erzeugt, der den damals 42 Jahre alten Anton Bruckner kennzeichnet. Noch recht entfernt von den späteren Kreationen dieses solitären Synthetisierers und Modulators der romantisch-wagnerischen Klangsprache.

Wo etwa Claudio Abbado den jungen Wilden, den furiosen Selbstdarsteller präsentierte, waren die Museumsmusiker und -musikerinnen eher auf Anschluss an den ausgereiften (aber bekanntlich auch da noch zu Bearbeitungen und Retuschen seiner Produktion gedrängten) Komponisten bedacht. Nicht ganz freiwillig vielleicht, denn Weigles Zeichengebung war öfter von abschwächenden, dynamische Zurückhaltung anmahnenden Gesten bestimmt.

Das war der Fall auch bei dem Violinkonzert des 39-jährigen Sibelius. Nur galt die Vorsicht hier den eher leisen und lyrischen Partien, wo sich das kompositorische Geschehen differenziert und charakteristisch wird. Fehlt seinem Werk doch fast aller sperrige Eigensinn jener heimatlichen, finnischen Beize, die zugunsten eines planen und eingängigen Romantik-Kosmopolitismus der Gründerzeit zurückgedrängt ist.

Solist war Augustin Hadelich, der Museumssolist dieser Spielzeit, der mit einigem Aplomb das romantisch-expressive und eingedunkelte Moment dieses oft eher klassizistisch und hell gegebenen Solo-Parts repräsentierte. Makellos in den schnellen und herausfordernden Staccati und arpeggierten Doppelgriffigkeiten. Im am Sonntag zugegebenen Preludio der Partita Nr. 3 Johann Sebastian Bachs wurden diese Qualitäten des Geigers noch einmal beglaubigt. Das Museumsorchester bot manch schöne Holzbläser-Sequenz.

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