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Museumskonzert mit Sebastian Weigle und Alban Gerhardt: Immer besser scheitern

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Von: Bernhard Uske

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Sebastian Weigle, hier in seinem Arbeitszimmer an der Oper Frankfurt, dirigierte das jüngste Museumskonzert.
Sebastian Weigle, hier in seinem Arbeitszimmer an der Oper Frankfurt, dirigierte das jüngste Museumskonzert. © Renate Hoyer

Alte Oper: Das Museumsorchester bietet Schumann und Mahler in herausragenden Ausdeutungen.

Museumskonzert im Großen Saal der Alten Oper Frankfurt mit Robert Schumanns Cellokonzert und Gustav Mahlers 9. Sinfonie. Alban Gerhardt, der Berliner Solo-Virtuose, pflegt einen beherrschten und zugleich pointierten Ton auf seinem Instrument: leichthändig und in zügigem Tempo, das Sebastian Weigle mit dem Museumsorchester vorgab. Nicht zu rasant und versonnen, nicht zu leicht und selbst beim Forcieren ohne Drücker. Eine Konzertfantasie mit zwei die dreisätzige Form markierenden Sollbruchstellen, die ein klassisches Konzert mehr simulieren als realisieren. Souverän trieb der 53-Jährige das Werk am Ohr des Publikums vorbei.

Auf seine Weise ist Mahlers Kolossalwerk ebenfalls eine Fantasie, hier über die klassische sinfonische Form. Eine Lebens-Sinfonie, hoch besetzt mit deutungslenkenden Idiomen, Metaphern und Zitaten. Von sisyphushafter Dramaturgie, die in die Sonatenhauptsatzform immer neue Ansätze zu Aufstiegen presst. Zu einem immer energischer auftretenden In-Gang-kommen-Wollen: immer besser scheiternd.

Das kann man als einen von Beginn an vergeblichen, bei aller dynamischer Zwangssteigerung müde bleibenden, undurchsichtigen Prozess vermitteln. Man kann es aber auch als ein heftiges und hartes Geschehen strebender und stauchender, jedenfalls zerrender und zehrender Kräfte zeigen, wie es die Museumsmusiker und -musikerinnen taten. Weigle machte ordentlich Druck und hielt das ewige Auf-und-Ab-Ostinato, das den ersten Satz im Untergrund durchzieht, ständig präsent. Keine empfindsame Schwermut mit seidenmatter Oberfläche, sondern eine sich knäuelnde und pressende Aktivität in grobkörnigem Klangbild.

Farbentzogen das Ländler-Bild, so rau wie der erste Satz. Der dritte, das klassische Scherzo, das Mahler in ein pandämonisches Weltgetümmel transformiert, erschien so als die metropolitane Parallelwelt zur entgleisten Nostalgie des zweiten Satzes. Eine tour de force, die die Orchestergruppen mächtig forderte und ihnen Gelegenheit zu blendenden Auftritten gab: die Bläser, allen voran die Hörner, das Schlagzeug, die Harfen, die bereits im ersten Satz ganze Arbeit geleistet hatten.

Im letzten Satz schlug die Stunde der Streicher, die die Klammer zum fehlgehenden Strebensimperativ des ersten Satzes auszuformulieren haben. Ein endloses Ende in zartesten, aber auch dichten und körperhaften Klangformen, mit denen das Museumsorchester und sein Kollektiv der Seeleninstrumente alle Ohren bestach.

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