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Alte Oper Frankfurt

Museumskonzert mit Daniel Müller-Schott: Die Mehrsprachigen

  • VonBernhard Uske
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Ein intensives Frankfurter Museumskonzert unter Sebastian Weigle, mit dem Cellisten Daniel Müller-Schott und einem russischen Programm.

Russisch-sowjetisch charakterisiert war das Frankfurter Museumskonzert in der Alten Oper. Mit einem in aktueller Begrifflichkeit als „somewhere“ und einem als „anywhere“ zu bezeichnenden Komponisten. Zum einen Sergej Prokofjew, der in den 30er Jahren freiwillig wegen Heimweh und ästhetischer Wurzelsuche in die Sowjetunion zurückgekehrt war. Und zum anderen Peter Tschaikowski, dessen Ästhetik bis zuletzt sich polyglott, vor allem westlich begründete.

Zu hören war mit Daniel Müller-Schott am Cello Prokofjews späte „Sinfonische Konzert“ in e-Moll op. 125; 1950 geschrieben, drei Jahre vor dem Tod des 62-Jährigen. Der hatte sich die Kritik der KPdSU an Westlertum und bourgeoisem Formalismus zu Herzen genommen und mit dem Konzert ein Schlüsselwerk politisch behüteter, kulturell beheimateter Haltung geschaffen. Das Solo-Instrument nicht kontrastiv oder oppositionell, sondern wohlgefügt in das Tutti-Kollektiv. Wunderbar gelang das dem Solisten mit dem von Sebastian Weigle genau und nachdrücklich geleiteten, den gesanglichen Ton des fast 40-minütigen Werks bestens treffenden Museumsorchester. Müller-Schott schuf eine Synthese aus sprachmächtiger Diktion und virtuoser Spielfreude, die aber nie artistisch abhebend wirkte. Intensiv war sein Spiel wie auch die Zugabe der „Pièce en forme de Habanera“ von Maurice Ravel, dezent und nicht im Modus schluchzender Hispano-Ausdrücklichkeit.

Auch den „anywhere“ treibt es ab und an zur singenden und tanzenden Basis: Tschaikowskis „kleinrussisch“ genannte 2. Sinfonie ist bestückt mit ukrainischen Liedern, die der Komponist so autochthon wie möglich vorlegt. Aber auch mit so markanten Akkord-Setzungen versieht, dass er die Ehren-Mitgliedschaft bei den „somewheres“ der Rimski-Korsakows, Borodins oder Glasunows hätte verliehen bekommen müssen. Mehrmals hatte man den Eindruck, einen aufgeheiterten, extravertierten Mussorgski zu hören. Im Scherzo dagegen ein rhythmisch gewitzter Instrumental-Subotnik. Als Reizverstärker taugt das Heimatliche allemal, Tschaikowski hat es in mitteleuropäischer Glättung immer gerne eingesetzt.

Das Museumsorchester unter seinem Chefdirigenten glänzte mit schönen Holzbläsern, die Hörner hatten exponierte Einsätze, das Streicherkollektiv vehemente Steigerungen, das Publikum war begeistert. usk

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