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Museumskonzert in Frankfurt: Es ist magisch

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Von: Judith von Sternburg

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Der Lucae-Brunnen sprudelt am Abend auf dem Opernplatz vor der Frankfurter Alten Oper.
Der Lucae-Brunnen sprudelt am Abend auf dem Opernplatz vor der Frankfurter Alten Oper. © Arne Dedert/dpa

Wilde Feger, Zauberhände und fantastische Musik beim ersten Museumskonzert der Saison in der Alten Oper Frankfurt.

Mit einem exquisiten französischen Programm ging nun auch das Frankfurter Opern- und Museumsorchester in die Konzertspielzeit in der Alten Oper. Der mit Abstand älteste Komponist war mit dem kühnsten Werk zu erleben, allerdings zeigt sich der Hector Berlioz der „Symphonie fantastique“ 1830 als so genialischer Romantiker, dass es bis heute praktisch eine geistige und emotionale Überforderung ist.

So spielten die Musiker und Musikerinnen es unter der Leitung des Italieners Jader Bignamini auch, der das Befremdliche nicht glättete und sinfonisch rundete, sondern fein, aber trotzdem brutal herausarbeitete. Ein kompliziertes Geäst der musikalischen Ereignisse, selbst in der Süße ständig irritierend, immer wie aus der Reihe. Musik ohne Selbstverständlichkeiten, und der Begriff Programmmusik ist an sich viel zu lieb dafür. Abgesehen davon, dass selten Gelegenheit ist, vier Paukenspieler auf einen Schlag in Aktion zu erleben, wobei das riesenhaft besetzte Orchester nur punktuell aufbraust. Bignamini macht in dieser Hinsicht aus einem Elefanten eine Mücke, schon vom „Rheingold“-Loge wissen wir, dass das viel schwieriger ist.

Am Beginn zunächst ein kurzes Hexenwerk, die Sinfonische Dichtung „Der Zauberlehrling“ von Paul Dukas (der vier Jahre alt war, als Berlioz starb). Das effektvolle Stück wurde angesichts der darin stattfindenden Entfesselungen recht gedrosselt dargeboten, ein schlankes, fast karges Vergnügen. Es kündigte aber bereits einen tollen Abend fürs Fagott an, von den großartigen Museumsmusikern (ergänzt noch um eine Akademistin) perfekt genutzt.

Zauberei anderer Art zeigte sich im Mittelstück. Maurice Ravel (sechs Jahre nach Berlioz’ Tod geboren) schrieb sein Klavierkonzert in D-Dur „für die linke Hand“ im Auftrag Paul Wittgensteins, der im Ersten Weltkrieg einen Arm verloren hatte. Das Werk ist technisch rasant, bei geschlossenen Augen fällt höchstens auf, dass fünf Finger weniger Lautstärke erzeugen können als zehn. Bei offenen Augen erlebt man das Wunder eines völlig verselbstständigten Armes in rasender Aktion. Die Solistin Claire Huangci kam mit der zweifellos immens anstrengenden Situation glanzvoll zurecht, ihr behändes Spiel konturiert und auf den Punkt. Die Ravelzugabe dann wie eine geradezu zwingende Ausgleichs- und Entspannungsübung hintendrein.

Beim besuchten Montagskonzert viele freie Plätze im Großen Saal der Alten Oper. Es kann einem bange werden, wenn man das Konzertleben liebt und braucht.

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