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Museumskonzert: Der Kampf zwischen Mensch und Ton

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Von: Bernhard Uske

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Die Alte Oper Frankfurt hatte das Museumsorchester zu Gast, das Programm: russisch.
Die Alte Oper Frankfurt hatte das Museumsorchester zu Gast, das Programm: russisch. © Monika Müller

Museumskonzert: Anna Vinnitskaya mit Rachmaninows 3. Klavierkonzert in der Alten Oper Frankfurt.

Was macht man mit den Myriaden von Noten, die Sergej Rachmaninow auf die Tastatur des Solo-Instruments seines 3. Klavierkonzerts gehäuft hat? Jenes Werks, das als Zug- und Paradepferd für seine Tournee durch die USA 1909 noch in der russischen Heimat entstanden war. Eines der rekordverdächtigen Kolossalwerke, die ihre Töne-Masse wie Klanggranulat und Klangschotter hin und her wuchten. Der Tastenlöwe, der seine Pranken im Gemenge wühlen lässt, findet in solchen Klangbiotopen sein schönstes Betätigungsfeld.

Im Museumskonzert in der Alten Oper Frankfurt war es eine Tastenlöwin, eine 39-Jährige, die im russischen Noworossijsk geboren wurde: Anna Vinnitskaya. Ohne viel Aufhebens widmete sie sich den Klangbergen und musterte den überbordenden Materialbestand auf akribische Weise, dabei behende und ungerührt erscheinend. Eine Art Tastenfeuerwerk souveräner Fingerbeherrschung, die im hell timbrierten Solo-Instrument bei allem Furor einen fast apollinischen Eindruck machte. Und passenderweise ging denn auch keine erschöpfte Kämpferin aus den Aktivitäten in der Rachmaninowschen Ausdruckspresse hervor.

Das Museumsorchester unter Leitung Sebastian Weigles bot den angemessenen und treffsicheren Rahmen für den Kampf zwischen Mensch und Ton, ja, stellte ein mitspielendes instrumentales Auditorium vor, das wiederum dem bloß zuhörenden ausnehmend gut gefiel.

Man blieb im russischen Kontext mit Peter Tschaikowskys h-Moll-Sinfonie „in vier Bildern nach Byron“ – „Manfred“ – mit der Opuszahl 58. Jene viersätzige sinfonische Dichtung aus dem Jahr 1885, die sich mit dicht gestricktem Motivvorrat die Faustversion des englischen Meisters des Weltschmerzes zu eigen gemacht hat. Der Prototyp der späten Sinfonien Tschaikowskys, namentlich seiner 6. Sinfonie, der „Pathétique“.

Das gesamte Arsenal der Liebes- und Leidens-Rhetorik des Melancholikers ist hier in griffiger, tadellos gefasster Weise versammelt. Das Museumsorchester hatte große Momente besonders in den gewichtigen Ecksätzen, wo die Streicher und Holzbläser glänzten. Die pittoresken, der tänzerischen Bewegungsartistik Tschaikowskys Tribut zollenden Binnensätze bekamen einen markanten bis herben Duktus. Eine konsequent unter Spannung gehaltene Darbietung, die die knapp 50 Minuten Spieldauer wie im Fluge verstreichen ließ.

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