Alte Oper

Museumskonzert: Die Bewegung des Belpiano

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Martin Stadtfeld und das Museumsorchester spielen Chopin und Tschaikowsky in Frankfurts Alter Oper.

Belpiano – der Begriff könnte durchaus für einen auf das Klavier zu übertragenden Vortragsstil stehen, der aus der Gesangskunst bekannt ist; bruchlos durchtimbrierte Stimmen, die in differenziertester Weise artikuliert sind und selbst bei Ausbrüchen und Rasanz die Contenance nicht verlieren. Eine Vorstellung des Klavieristischen also in Analogie zum Belcanto, wo man diese Darstellungshaltung ganz besonders gut für das frühe und mittlere 19. Jahrhundert in der Oper kennt. Jener Zeit, in der Frédéric Chopin seine Art Klavier zu spielen präsentierte – und eine neue kompositorische Haltung obendrein: belpianistisch?

Auf solche Gedanken konnte einen das Erlebnis des Spiels Martin Stadtfelds beim 6. Sinfoniekonzert der Museumsgesellschaft bringen, wo er als Solist im 1830 uraufgeführten e-Moll-Konzert Chopins auftrat. Im Großen Saal der Alten Oper, begleitet vom Frankfurter Opern- und Museumsorchester unter der Leitung seines Chefdirigenten Sebastian Weigle.

Es war eine Aufführung, die sich gerade in der Art und Weise, wie sie feine Tonbildung, homogene Passagenbewegung und subtile dynamische Dramatik darstellte, höchste Aufmerksamkeit erzwang. Chopinscher Habitus zeigte sich als ein hypersensibler, und das in vollkommener Ausführung: das solistische Ego in formidabler Scheu vor dem Hintergrund seines dabei Relief gewinnenden Alter Ego als Tutti. Was diesem seine ihm sonst oft anhaftende Folienhaftigkeit wie selbstverständlich nahm – ermöglicht auch durch den sensibel und doch gewichtig mitgehenden Dirigenten und seine sehr bereitwilligen Musiker. Stadtfeld, mittlerweile 40 Jahre alt, konnte als unaufwendig agierender Prophet einer Bewegung und Schule des Belpiano erscheinen. Sein Gestus markanter Diffizilität begeisterte das Publikum offensichtlich.

Jedem Kenner der Choreografien von George Balanchine ist sie bestens vertraut, die 3. Sinfonie Peter Tschaikowskys. Denn der geniale Chef des New York City Ballet hat in seinem größten und glamourösesten Ballett „Jewels“ von 1967 den dritten Teil, „Diamonds“, als Choreografie großer Teile eben jener Sinfonie aus dem Jahre 1875 gestaltet. Jetzt erklang das Werk als sehr schöner Beweis der Qualitäten des Museumsorchesters, das Weigle nicht allzu sehr in Sankt Petersburger Melos schwelgen ließ. Die tüfteligen, quasi-akademischen Passagen des ersten Satzes definierte er klar, bei zwei, drei griffigen Passagen aus dem mittleren schaltete er in einen brausenden Gang hoch.

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