Heather Nova

Muscheln, Wellen, Ozeane

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Heather Nova mit ihrem alten Album "Oyster" in der Frankfurter Batschkapp.

Am Mikroständer ranken tropische Blüten, weiße Stofffahnen begrenzen die Bühne der Frankfurter Batschkapp nach hinten, das war’s auch schon mit Schmuck und Show bei Heather Nova. Ansagen bleiben knapp und sind weitgehend überflüssig: Nova spielt ihr Album „Oyster“ von 1994, die Reihenfolge der Songs ist bekannt.

Jedenfalls bei den Batschkapp-Gästen: Wer dieses Konzert besucht, tut das aus nostalgischen Gründen und entsprechend kenntnisreich. Voll ist es nicht geworden. Ed Prosek übernimmt das Anwärmen. Sein falsettlastiger Gesang zur Gitarre erntet höflichen Applaus.

Einige von Novas besten und bekanntesten Songs sind auf „Oyster“: „Island“, „Throwing Fire At The Sun“ und vor allem „Walk This World“, das – damals gab es noch Musikvideos – auf MTV rauf und runter lief. Die Sängerin wurde in einem Atemzug mit Alanis Morissette oder Tori Amos genannt.

Seither hat Heather Allison Frith, wie sie 1967 bei ihrer Geburt hieß, offenbar zu einer gesunden Work-Life-Balance gefunden, mit vielen Auszeiten am Strand auf den heimatlichen Bermudas. Die Geburt von Sohn Sebastian 2004 dürfte eine Rolle spielen. Fast wie nebenbei hat sie rund 120 Songs geschrieben, einige Alben aufgenommen, mit anderen Musikern kooperiert, in TV- und Film-Soundtracks Eingang gefunden. Getourt ist sie auch, zuletzt eher familiär mit Bruder Mishka (Reggae).

Den Spitznamen Sirene (nach dem Titel des Albums, das nach „Oyster“ kam) verdient die Sängerin immer noch, im odysseeischen ebenso wie im Feuerwehr-Sinn: Sie schraubt die Stimme in variationsreiche Melismen, wechselt zwischen timbrierten Tiefen und schneidenden Höhen. Der Klang ist ein wenig unausgewogen im Batschkapp-Konzert, die Texte sind schwer verständlich. Aber wer dieses Konzert besucht, kennt sie ohnehin auswendig mit all ihren maritimen Metaphern (Muscheln, Wellen, Ozeane). Nova hat große Teile ihrer Kindheit auf einer Segeljacht verbracht, das prägt ihre Lyrik. Auch einen Gedichtband hat sie veröffentlicht.

Aus der Indie/Folk/Alternative-Sparte schiebt Heather Nova mit Band die Songs Richtung Grunge, baut in „Verona“ gar ein Nirvana-Zitat ein. Fett verzerrte Powerchords, rückkopplungssatte Gitarrensoli und ein schleppendes Schlagzeug, dazu das seit „Oyster“ fest im Nova-Sound etablierte Cello: Willkommen zurück in den 90ern. Der Wechsel zwischen balladesken und krachigen Songabschnitten ist Programm.

Zwischen den „Oyster“-Songs erklingt „Blind“, damals nicht auf dem Album, aber als B-Seite veröffentlicht; dafür kommt „Sugar“ erst bei den Zugaben, die nach einer guten Stunde folgen. Dazu dann je ein Lied von anderen Alben: „Winterblue“ (1998), „Like Lovers Do“ (2001), „I Wanna Be Your Light“ (2003). „Sea Glass“ bleibt der einzige Song vom noch aktuellen Album „The Way It Feels“ (2015), die Nostalgie ist also ungebrochen.

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