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Gar nicht lange her: Adam Lambert auf der Bühne.

Pop

Wir müssen nix

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Aber wir dürfen noch manches, etwa frische Musik hören, diesmal von einer sehr erfahrenen reinen Herrenrunde.

Astral:  Was muss ich eigentlich? „Du musst nicht die erste sein. Du musst nicht der zweite sein. Du musst nicht Geburtstag haben. Du musst auch nicht Geburtstag feiern. Du musst nicht zur Schule gehen. Du musst nicht schwimmen. Du musst nicht tanken. Du musst nicht essen. Du musst nicht trinken. Du musst gar nix.“ Wie konnten sie das ahnen? Die Sterne aus Hamburg haben irgendwie vorhergesehen, dass bald, sehr bald eine Zeit kommen würde, in der man nix mehr muss. Fast nix. Essen, trinken wäre eigentlich doch ganz angebracht. Und zu Hause bleiben. Das neue Album der Sterne hat der letzte seit 1991 verbliebene Bandgründer, Sänger Frank Spilker, mit Bekannten aufgenommen, da springen etwa das Kaiser Quartett und die Düsseldorf Düsterboys ein. Ein Album, das von vorn bis hinten entweder Freude oder nachdenklich macht, meist beides, mit zuversichtlich fließender Musik à la Hamburger Schule, aber auch mal funky: „Du musst dich nicht an dem nächstbesten Idioten orientieren. Du kannst dich auch einfach so verlaufen. Du musst gar nix.“ Schön, dass die Sterne wieder was gemacht haben. Obwohl sie gar nicht gemusst hätten.

Schön:  dass die Boomtown Rats wieder was gemacht haben. Nach sage und schreibe 36 Jahren. Ihr neues Album erschien an einem Freitag (kleiner Hinweis für alle, die sich an den großen Hit der Band erinnern: „I Don’t Like Mondays“). Sänger Bob Geldof wurde im Film berühmt und als Organisator riesiger Live-Aid-Konzerte als Hilfe für jene, denen es schlecht geht. Jetzt ist er mit drei weiteren Gründungsmitgliedern wieder wütend genug für neue Songs. Der Opener „Trash Glam Baby“ ist eine dezente Hommage an David Bowie, in der jagenden Fahrt durch die zehn Tracks finden sich weitere Zitate zeitgenössischer Künstler bis hin zum Song „The Boomtown Rats“. Darin kommen sie zurück in die einst prosperierende Stadt und fragen die Katzen, was los ist. Die Katzen sagen: „Es sind diese Ratten, diese filzigen Ratten, die dreckigen Ratten, die Boomtown-Ratten.“ Hörenswert.

Jünger:  Aber nicht unendlich viel jünger, aber doch ein ganzes Stück jünger sind die Other Lives aus Oklahoma und auch schon mit dem fünften Album (plus zwei EPs) am Start. Das neue Werk ist wieder ein ganz wundervolles, unaufgeregt, etwas getragen, ein bisschen altmodisch, american-folkig. Und bärtig, eindeutig holzfällerbärtig in der Art, wie auch all die anderen mitteljungen Leute seit einiger Zeit vollbärtig sind. Ein Album zum Langsam-über-die-Landstraße-Fahren, aber auch zum Zuhören und Augenschließen.

Retro:  Damit zu etwas ganz anderem. Adam Lambert macht – nun, früher hätte man Disco dazu gesagt. Und genau das macht er auf diesem Album: Was früher Disco war. Wie früher. Und das macht er gut. Es ist natürlich nicht das einzige, was er macht. Zum Beispiel ist er seit fast zehn Jahren der Sänger von Queen, weil Freddie nicht mehr lebt, und auch das macht er gut. Seine Disco- und Filmographie ist ungefähr drei Meter lang (in Kleinschrift). Wer aber jetzt Lust auf Disco aus den 80er oder 90 Jahren hat, auch mal eine softe Ballade dazwischen, der ist mit diesem Album gut dabei.

Gastfreundlich:  Wo wir gerade bei Disco bzw. Disko sind, Jan Delay hat da mal was angerichtet. Der Hamburger HipHop-Soul-Funker, der auch schon mit Udo Lindenberg „sein Ding“ machte, egal, was die andern sagten, lädt sich jetzt Gäste in seine „Disko No.1“ auf Youtube ein. „Ich habe mir das Youtube-Format „Diskoteque“ ausgedacht, um Rapper/innen und Sänger/innen, die ich mag und für ihre Einzigartigkeit bewundere, einmal mit meiner Band, der Disko No. 1“ musizieren zu lassen und sie in unseren Kosmos zu holen“, sagt er. Das ist ganz schmissig. Einfach mal reinhören.

Jan Delay:  Diskotheque/Disko No.1 (auf Youtube)

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