Alte Oper

Die Münchner Philharmoniker in Frankfurt: Ist dies etwa der Tod?

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Die Münchner Philharmoniker mit Valery Gergiev und Diana Damrau in Frankfurt.

Die beängstigende Perfektion der Münchner Philharmoniker und ihrer Solisten wurde ausgerechnet bei einem Konzert deutlich, das zugleich durch eine faszinierende Nonchalance geprägt war.

Valery Gergiev zeigte sich in der Alten Oper Frankfurt als Dirigent, der vorantrieb, aber organisatorisch kaum einzugreifen schien. Der gewaltige Orchesterapparat, nein, Klangkörper bewegte sich wie von selbst durch Gustav Mahlers fünfte Sinfonie, die Bewegung war organisch, weich und manchmal auf überaus reizvolle Weise ein wenig schleppend. Die technische Akkuratesse, ohne die das nicht möglich ist, drängte sich nicht auf und war bloß da – in den fabelhaften Leistungen etwa des mit stählernden Nerven ausgestatteten Solohornisten oder auch des Tubaspielers. Überhaupt gelang den Blech- wie auch Holzbläsern an diesem Abend einfach alles, die acht Kontrabässe waren eine Macht für sich.

Eine ungebärdige Natürlichkeit bewahrte sich jene „größte Vehemenz“, die der Komponist – selbst ausgerechnet mit dieser so erfolgreichen Sinfonie immer ringend, auch seufzend, sie sei „verflucht“ – nur zwischenzeitlich, dann aber mit Elan fordert. Das Adagietto indes gewann sofort die mystische Tiefe, die nur sehr viele Menschen, die sehr leise sind, herstellen können. Ein außergewöhnlicher Orchestertriumph. Dass der Chefdirigent (seit 2015/16) daran großen Anteil haben muss, spielte er selbst bei den Verbeugungen sympathisch herunter, ließ ausführlich die Akteure feiern.

Im ersten Teil des Konzerts sang die Bayerische Kammersängerin Diana Damrau die „Vier letzten Lieder“ von Richard Strauss. Das Orchester war zwar rücksichtsvoll, sehr rücksichtsvoll, aber es blieb doch im Ungewissen, wie viel Gesang noch wo im Saal zu hören war. Denn Damrau ging aufs Ganze, indem sie die Größe des Raums beiseiteließ und die Lieder mit Intimität, mit reiner Inniglichkeit darbot.

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