Gregor Praml & Beethoven

Mousonturm: Den Swing heraushören

  • vonStefan Michalzik
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Gregor Praml lädt im Mousonturm zu einem kurzweiligen Beethoven-Abend.

Der Musiker und hr2-Musikredakteur Gregor Praml hat sich für die Beethoven-Ausgabe seines Konzert-Talks „The Lokal Listener – Gregor Praml trifft...“ im Frankfurter Mousonturm eine Reihe von markanten hiesigen Musikern eingeladen, deren Bezug zu Ludwig van Beethoven, dessen 250. Geburtstag in den kommenden Monaten ausdauernd gefeiert werden wird, fast durchweg nicht auf der Hand liegt. In freier Weise beschäftigten sie sich mit dem Werk des hier ganz und gar nicht als Titan auf den Sockel gestellten, musikalisch formsprengenden Revolutionärs. Ort ist diesmal nicht das Lokal des Künstlerhauses gewesen, sondern der ausverkaufte Theatersaal.

Ein kurzweiliger, bunter Dreieinhalbstundenabend war das, samt musikhistorischem Boulevardwissen, von den Schrullen des Komponisten und seiner Daseinsfreudigkeit vor der Isolation durch die Taubheit bis zur vermuteten Identität der Adressatin des berühmten Briefes an die „unsterbliche Geliebte“.

Samples aus den ersten zwei Minuten der vierten Sinfonie setzte Peter J. Schwalm in eine elektronische Textur aus Ambientgewitter, Klopfzeichen und schwer lastenden Beckenschlägen. Mit seiner elektronifizierten Klarinette setzte Oliver Leicht, Mitglied der hr-Bigband, Segmente der ersten Sinfonie in gleichfalls ambienthafte Klänge, in die sich irgendwann ein Groove einschleicht.

Beethoven’sche Loops?

Und ein weiteres Mal Ambientnähe bei Gregor Praml selbst und den Loops aus den Tönen seines Kontrabasses in der Begleitung zu Oliver Augsts chansonesk-improvisatorischen Anverwandlungen von Beethovenliedern.

Für viel Amüsement zwischen herzhaft gekonntem DIY-Charme und stilsicherer Verballhornung sorgten als Gesangspartner für Augst das Trio Jodlklub: nämlich die drei ortsansässigen Österreicherinnen Elisabeth Gabriel, Liese Lyon und Johanna Milz bei dem Tiroler Lied „I mag di net nehma, du töpperter Hecht“, einer der zahllosen Volksliedbearbeitungen des Komponisten.

Nicht allein auf die seinerzeit revolutionäre formale Anlage der letzten Klaviersonate op. 111 verwiesen Praml und der vorzügliche Pianist Leonard Dering: sie waren sich einig darin, dass aus dem zweiten Satz ein Vorschein des musikalischen Minimalismus (unmittelbar plausibel) wie gar des Swing (nach zweimaligem Nachhören zuhause wird klar, welche Stellen im ersten Drittel sie meinen) herauszuhören ist.

Die vielen Sechzehntel nicht nur in op. 111 haben sich am Ende der Pianist Florian Wäldele und der Schlagzeuger Florian Dreßler von dem Duo The OhOhOhs zum Ausgangspunkt ihrer Übertragung des dritten Satzes der Klaviersonate Nr. 14 op. 27 Nr. 2 in cis-Moll genommen. Sie ist populär als (nicht von Beethoven so genannte) Mondscheinsonate, wurde hier in die Sechzehntelmusik Techno übertragen, mit einem furios bengalisch-reißerischen Resultat.

Das war sehr ansehnlich im Sinne eines durchaus nicht unter Niveau unterhaltsamen Amuse-Gueule zum Jubiläumsjahr. Da muss Bonn erstmal mithalten, das zur Feier Beethovens ernstlich unter anderem Robbie Williams (!) annonciert.

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