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Sophia Kennedy.
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Sophia Kennedy.

Neues Album

„Monsters“ von Sophia Kennedy: Distanz und Nahbarkeit

  • VonStefan Michalzik
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Weitab der Trends: Sophia Kennedy und ihr zweites Album ,,Monsters“.

Die Klangwelt von Sophia Kennedy befindet sich ständig im Wandel. Mit dem Ausdruck ihrer Stimme verhält es sich nicht anders. Sie versuche, hat sie einmal gesagt, Song um Song herauszufinden, welche Haltung sie mit ihrem Gesang einnehmen könne. Ihr vor vier Jahren mit nicht mehr als ihrem Namen betiteltes Debüt ist ein bemerkenswert ausgereiftes Werk. Die in Baltimore geborene Hamburger Sängerin und Songschreiberin ließ ungeachtet seines Überschusses an Ideen an einer klaren Linie keinen Zweifel. Ihr zweites Album, „Monsters“, ist ebenso stilsicher, dabei wirkt es eine Spur freier in der Musizierhaltung.

Endlichkeit, Katastrophen, Einsamkeit – es ist trotzdem kein durch und durch düsteres Album. Da sind zum einen die persönlichen Motive: Das Album ist dem verstorbenen Vater gewidmet, und im letzten Song, „Dragged Myself Into the Sun“ ist ein über Telefon aufgenommenes Sample mit der Stimme der gleichfalls vor nicht allzu langer Zeit verstorbenen Großmutter zu hören. Gleich am Anfang, in „Animals Will Come“, steht die Fantasie einer postmortalen Szene, in der Tiere den eigenen Körper um der Nahrung willen fleddern.

Doch das Album lässt sich auch als ein Kommentar zur Zeit lesen. Auch Anspannung und Bedrohlichkeit, hat Sophia Kennedy in einem Interview erläutert, die sie in politischer und sozialer Hinsicht in der Welt verspüre, seien eingeflossen. Eine Untergangsprophetin wolle sie jedoch nicht sein. Eine Ambivalenz zwischen der Angst vor und der Lust am Untergang, wie in dem Song „Orange Tic Tac“, sei ihr nicht fremd. Als die Buschbrände in Australien und Kalifornien im vergangenen Jahr ausgebrochen seien, hatten die Bilder davon einesteils einen Schock ausgelöst – jetzt befinden wir uns wirklich mittendrin in der Klimakatastrophe! – , zugleich seien sie sehr beeindruckend gewesen.

Immer ein eigener Kosmos

Der Titel des Albums sei im Übrigen auch durch die Erfahrung des Schaffensprozesses motiviert. Jedes Stück fühle sich für sie an wie ein eigener Kosmos. Wenn sie morgens das Studio betrat, habe sie das Gefühl gehabt, da sei ein ganzer Stall voller kleiner Ungeheuer, die auf sie warteten und die sie zähmen müsse, damit sie in die richtige Richtung kommen.

Es tauchen in diesen teilelektronisch produzierten, musikalisch zwischen Chanson, Elektropop, ethnisch-perkussiven Anleihen und R&B changierenden Songs immer wieder Chorpassagen auf; alle Stimmen hat Sophia Kennedy eingesungen. Auf „Do They Know“ scheint der Chor gemischt zu sein – kriegt man aber natürlich alles technisch hin.

Die musikalischen Texturen sind zum Teil düster, dann aber sind da Inseln eines ambienthaften Wohlklangs. Wie schon beim Debüt bildet Kennedy mit ihrem Lebenspartner Mense Reents, Mitglied von Die Goldenen Zitronen und seit Jahrzehnten umtriebig in diversen Hamburger Bands, eine verkappte Pärchenband: „Written by Sophia Kennedy & Meense Reents“ ist im Inneren der CD-Hülle zu lesen – bei der Produktion sind die Namen in umgekehrter Reihenfolge genannt.

Es ist alles ausgefeilt, aber nicht im Übermaß – und unterkühlt wirkt dieses Spiel mit Distanz und Nahbarkeit nicht. Es ist eine ausgesprochen zeitgenössische Popmusik. Weitab der Trends und einzigartig: Sophia Kennedy steht über den Stilen wie kaum eine hiesige Musikerin sonst.

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