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Daniel Müller-Schott bei einem Monolog in der Alten Oper Frankfurt.

Alte Oper

Man sollt’ öfter in Konzerte gehen

  • Judith von Sternburg
    vonJudith von Sternburg
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Monologe mit Daniel Müller-Schott, Christian Tetzlaff und Ulrich Matthes in der Alten Oper in Frankfurt.

Drei mal drei in einer ungewöhnlichen Konzertabfolge. Den Sonntagnachmittag und -abend über boten der Cellist Daniel Müller-Schott, der Geiger Christian Tetzlaff und der Schauspieler Ulrich Matthes in der Alten Oper Frankfurt Monologe verschiedener Art. Es gab dabei an sich kein Missverhältnis zwischen Raum und Vortrag – obwohl es gerade die Stimme praktisch nicht leicht hatte –, zu groß das Virtuosentum der Beteiligten, um nicht in einem Großen Saal umso mehr zur Geltung zu kommen. Matthes’ Kunstpausen hätten den Deutschlehrer Herrn F. begeistert, der so sehr darauf wartete, endlich eine auf dem Boden aufkommende Nadel zu hören. Die Menschen, die ganz zum Schluss in Bachs Violinpartita Nr. 2 d-Moll immerhin zweimal vorzeitig reinklatschten, genierten sich gewiss. Aber auch eine Stille zwischen den Abschnitten – und Tetzlaff kostete sie aus – kann so erheblich sein, dass man einfach irgendetwas tun muss.

Wer in Runde zwei einsteigen konnte, erlebte im Wort Shakespeare, im Ton aber zuerst Bachs Violinsonate Nr. 2 BWV 1003, ebenfalls mit Tetzlaff und einer Fuge als hochkomplexem Perpetuum mobile – nur entschieden Bach und Tetzlaff, dass es dann doch aufhörte – sowie einem Andante als Forschungsreise. Weder von einer puristischen Einstellung noch von Routine ließ sich Tetzlaff den Gestaltungsspielraum im geringsten einschränken.

Das galt nicht weniger für Daniel Müller-Schott, der sich und sein Cello ohnehin vehement herausforderte, zunächst mit Zoltán Kodálys totale Fulminanz fordernden Solosonate op. 8, später unter anderem mit Elegisch-Raffiniertem von Hans Werner Henze (Serenade für Cello).

Nur die Souveränität zählte, es gab keine Prinzipien, keinen zusätzlichen Versuch, Atmosphäre zu schaffen. Matthes führte die ausgewählten Textstellen sogar immer kurz ein – Einführungen, an denen sich mancher Einführungsprofi ein Beispiel nehmen könnte –, so dass er die angesichts der Auswahl gegebene Möglichkeit einer jeweils durchperformierten Stunde noch zusätzlich unterlief. Nach den klugen Shakespeare-Passagen gab es in der dritten Runde Heiteres. Matthes ist kein Witzbold, aber man bekam kaum genug davon, darunter Schnitzlers Leutnant Gustl im Oratorium („es ist wirklich wahr, man sollt’ öfter in Konzerte gehen“) und Patrick Süskinds maulender Kontrabassist – Müller-Schott, als Cellist angenehm außen vor, konnte trotzdem ein paar Details illustrieren.

Alles entwickelte sich allein aus dem jeweiligen Werk und dem Künstler und seinem Instrument als dritten Partner. Dass ein Schauspieler nicht einmal ein solches hat, dass er – wenn ihm die Regie nicht wenigstens eine rote Nase aufgesetzt hat – uns allein mit seiner Person entgegentritt, wurde hier so plastisch wie ganz selten. Obwohl Matthes vor den bravourösen Instrumentalisten in einem Konzertsaal höflich zurücktrat, ist doch der Mut des Schauspielers unübertroffen.

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