Mark Lanegan am Mikrofonständer.
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Mark Lanegan am Mikrofonständer.

Mark Lanegan

Monolith, beweglich

  • vonStefan Michalzik
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Favorit für einen überschaubaren Kreis von Kennern: Mark Lanegan im Frankfurter Gibson.

Mit dem Mikrofonständer steht Mark Lanegan in einer symbiotischen Verbindung. Bloß zwischen den Stücken lässt er für einen Moment von ihm ab. Dann gibt es mitunter mal ein paar allerknappste Worte des Dankes. Beim Vortrag der Songs mit der charakteristisch tiefen und warm klingenden Baritonstimme blickt er unter sich, es geht kein Blick ins Publikum, Nummer reiht sich an Nummer.

Mit den Screaming Trees gehörte Mark Lanegan zu den Großen des Grunges, am spektakulären Erfolg allerdings sind sie vorbeigeschrammt; auch die zehn Soloalben des Amerikaners änderten nichts am Status eines Favoriten für einen überschaubaren Stamm von Kennern; fast schon populärer ist er als ein quer durch die Genres beschäftigter Gastsänger und Kooperationspartner – über mehrere Alben hinweg etwa bei der Stoner-Rock-Band Queens of the Stone Age und im folkaffinen Duo mit Isobel Campbell von Belle and Sebastian sowie zuletzt unter anderem mit britischen Elektropopbands wie Bomb the Bass und Soulsavers.

Das gut besuchte Konzert im Frankfurter Gibson eröffnete der als Lyenn firmierende vielversprechende junge belgische Songwriter Fred Jacques solo mit seinen melodischen Songs um Melancholie und Vergeblichkeit. Über der im Duo mit einem Schlagzeuger gespielten bluesverwurzelten Musik des großartigen Londoner Songwriters Duke Garwood – Gitarrist in Lanegans Band – schwebt ein Hauch von The Doors.

Mit Grunge hat Mark Lanegan heute praktisch nichts mehr gemein. Analog zu seiner jüngeren Entwicklung, die mit dem Album „Blues Funeral“ von 2012 eingeleitet wurde, handelt es sich bei seiner sechsköpfigen Band um ein Ensemble mit Americana-Anklängen und Hardrockgitarren. Der raumgreifende Sound öffnet sich immer wieder für Synthiesounds aus den achtziger Jahren. My Bloody Valentine trifft Depeche Mode.

Alte Songs aus der Zeit mit den Screaming Trees führt der 52-jährige fast überhaupt nicht im Repertoire. In der Zugabe spielten er und seine Band die Joy-Division-Klassiker „Atmosphere“ und „Love Will Tear Us Apart“ in einer mitreißenden Fassung. „Sänge Mark Lanegan über Zahnpasta, ich würde putzen“ – so der treffende Befund von Josh Homme, dem Kopf der Queens Of The Stone Age.

Darauf aber ruht sich Lanegan nicht aus. Wie auf dem jüngsten Album „Gargoyle“ präsentierte er sich auch im Konzert in musikalisch bester Verfassung. In seiner Art ist er ein Monolith – und er bewegt sich doch.

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