Alte Oper

Der Mond ist aufgegangen

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Das Gastspiel von Joan Baez in Frankfurt ist eine Zeitreise.

I need another place, / will there be peace? / I need another world / this one’s nearly gone“. Es sind nicht gerade hoffnungsfrohe Sätze, mit denen Joan Baez hier ihre Weltsicht bekundet. Die Dame, weiß um den Lauf der Welt und macht sich wenig Illusionen auf eine Wende zum Besseren. Und doch hat sie gerade dafür ein Künstlerleben lang gesungen. Ist marschiert, hat demonstriert, den Mund aufgemacht.

Mit einer kleinen Verbeugung vor einem großen Kollegen hat sie den Abend in Frankfurt eröffnet, alleine auf der Bühne mit Dylans „The times they are a changin…‘‘. Später wird „‚Diamonds & Rust“ folgen, das mit dem „original vagabond“ hart ins Gericht geht. Es folgt das grandiose „There but for fortune“ von Phil Ochs. Nobelpreisgekrönt der eine, so gut wie vergessen der andere – auch darum weiß die Sängerin. Ihr ist der Erfolg in den langen Jahren ihrer Karriere immer treu geblieben. Sie war 15, als sie zum ersten Male Martin Luther King sprechen hörte, lernte Phil Seeger kennen, Odetta und Bob Dylan.

So wird denn auch ihr Frankfurter Gastspiel zu einer Zeitreise durch die Protestbewegungen vergangener Jahre. Das reicht von den Guthrie-Songs „‚Joe Hill“ und „Deportee“ über „Gracias a la vida“ bis hin zum unvermeidlichen „Sag mir wo die Blumen sind“. Für Kristoffersons „Me and Bobby Mc Gee“ holt sie sich Verstärkung und überlässt einer jüngeren Stimme den Text.

Ihre „little Bigband“ besteht aus gerade mal zwei Begleitern: Ihr Sohn Gabriel Harris sitzt am kleinen Drum-Set und an der Gitarre begleitet sie der vielseitige Dirk Powell (auch Mandoline, Banjo und Bass), der nur dann die Stimmung eintrübt, wenn er sich an’s Klavier setzt und allzu pathetisch wird.

Eigens gelernt für ihr Publikum in Deutschland hat sie: „Der Mond ist aufgegangen“ einstudiert – ein wenig „shaky“ vorgetragen, wie sie entschuldigend anmerkt. Aber da ist im Saal schon längst kein Halten mehr. Alle stehen und (fast) alle singen mit. Ihre immer noch klare, ein wenig rauer gewordene Stimme begleitet sie mit feinem, variablem Spiel auf der Gitarre. Gewiss, aus Joan Baez ist keine Bonnie Raitt geworden, aber sie schraubt ihre Stimme nicht mehr so enervierend in die Höhe, singt in sehr gediegenem Alt. Und sie macht das alles sehr sympathisch – keine wohlfeilen Worte, kein Anbiedern.

Knapp widmet sie ein Lied den jungen Waffenbannern und sie singt für „ihren“ Präsidenten (Zoe Mulfords). Es ist, so hat sie angekündigt, ein Abschied für immer von der Bühne, aber der fällt erkennbar schwer. Auch in Frankfurt mag die Grande Dame des Protestliedes kein Ende finden, immer wieder kommt sie auf die Bühne, gibt Zugabe um Zugabe. Ein letztes Mal dann steht sie alleine vorne, singt unbegleitet Bettina Wegners Lied „Sind so kleine Hände“.

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