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Mogli im Palmengarten: Wenn bloß die Musik nicht wäre

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Von: Stefan Michalzik

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Mogli. Foto: Giulia Delay
Mogli. Foto: Giulia Delay © Giulia Delay

Mogli im Frankfurter Palmengarten.

Es ist das Prinzip des Selbstgemachten, das Selima Taibi, die sich Mogli nennt, immer wieder hervorhebt. Ihre Musik bringt sie eigenverlegerisch heraus, ohne die Unterstützung eines Labels im Hintergrund. Im Zusammenhang mit dem von ihr als ,,kinematisches Album“ deklarierten und im Frühjahr veröffentlichten dritten Werk „Ravage“ (ein damit verknüpftes Dystopiekitsch-Langvideo hat sie ins Internet gestellt) hat die 1994 als Tochter einer Deutschen und eines Algeriers in Frankfurt geborene Singer/Songwriterin gesagt, ihre Definition von Pop habe sich verändert, weg vom Mainstream.

Und was macht Mogli heute? Nichts anderes als Mainstream-Musik, wie zu erleben bei ihrem Konzert in der vom Frankfurter Mousonturm ausgerichteten Reihe Summer in the City im Frankfurter Palmengarten. Es handelt sich um synthielastigen „Rockpop“, der sich als „zeitlos“, ebensogut aber als aus der Zeit gefallen charakterisieren und in einer ähnlichen Machart bis in die achtziger Jahre zurückverfolgen lässt.

Bei Selima Taibi kommt mitunter eine Beimischung von Computerdrumbeats hinzu. Die Band ist vierköpfig, mit Keyboards, Bass und Schlagzeug, sie selber fächert ihre Stimme gelegentlich am Keyboard chorisch auf oder arbeitet mit Samples ebenderselben, hin und wieder auch spielt sie für einen Song E-Gitarre. Etliche der Nummern an diesem Abend beginnen als intime Ballade und wechseln von einem bestimmten Punkt an in ein mittleres Tempo, in einem experimentiert Taibi mit einem Housebeat, ohne dass deshalb daraus gleich ein Dancefloorkracher wird. In den Texten der Songs von „Ravage“ – Zerstörung – geht es unter anderem um eine überstandene Depression.

Problem-Arrangements

Führt man gedanklich die Songs auf ihren Kern zurück, handelt es sich um Singer/Songwriter-Pop von ansehnlichem Zuschnitt. Wenn bloß die Musik nicht wäre. Präziser: die Arrangements. Wenn Selima Taiba zu einem eigenen Format finden will, sollte sie die Dinge reduzieren. Vor bereits zehn Jahren nahm die Sängerin an „Voice of Germany“ teil, schrieb 2017 den Soundtrack zu der gemeinsam mit ihrem Partner, dem Filmregisseur Felix Starck, gedrehten Reise-Dokumentation „Expedition Happiness“.

Es braucht ja nun wirklich nicht gleich der Akustikklampfenfolk zu sein; genügend Alternativen dazu zeigt die jüngere Popgeschichte auf, von Leslie Feist und Cat Power über Sufjan Stevens und Damien Rice bis zu Regina Spector und Big Thief.

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