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Jazz im Palmengarten

Mit lockerer Hand

  • VonStefan Michalzik
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Sebastian Gramss und seine States of Play eröffnen die Reihe Jazz im Palmengarten.

Mitte der 90er Jahre war das Wort vom Ende der Avantgarden schon eine Weile in der Welt, auch im Jazz galt es für besiegelt. Die neotraditionalistische Bewegung der Young Lions mit ihrem Wortführer Wynton Marsalis hatte die musikalische Vergangenheit des Bebops zur neuen Zukunft zu erklären versucht – da erschien in Deutschland eine Generation junger Musiker (in den prominenten Ensembles keine -innen darunter), die zwar gleichfalls auf jazzhistorischen Errungenschaften – aus einer späteren Phase – aufbaute, dabei jedoch in ungezwungener Attitüde auf der Idee eines zeitgenössischen Musizierens im Jazz beharrte. Die Berliner Band Der Rote Bereich gehörte dazu, der Vibraphonist Christopher Dell – und der Kölner Bassist Sebastian Gramss mit seinem Quintett Underkarl.

Die freie Spielweise war der Anknüpfungspunkt für diese Musiker, und das blieb auch quer durch das weitverzweigte Schaffen von Sebastian Gramss eine Konstante. Auf das Jahr 2017 geht die Gründung seines Quasi-All-Star-Nonetts States of Play zurück, zur Eröffnung der Saison in der von der Frankfurter Jazzinitiative beschickten Traditionsreihe Jazz im Palmengarten gastierte das Ensemble in einer zehnköpfigen Besetzung.

Die meisten Nummern des jüngsten Albums „Subsonic“, aus dem sich ein Gutteil des Repertoires beim Frankfurter Konzert speiste, hat der Leader allein geschrieben, das Strukturmodell aber ist das einer kollektiven Verfasstheit. Durchaus im Übrigen mit einer politischen Dimension, manifest in der einzigen Vokalnummer mit der von der Posaunistin Shannon Barnett repetierten Zeile „I’m the leader of the free world“.

Programm ist die bei allem Formbewusstsein mit lockerer Hand geplünderte Jazzgeschichte in Bruchstücken samt Wilderei im Revier der musikalischen Moderne. Da ist mal eine ins Freitonale verschobene Fanfare der Bläsergruppe um Shannon Barnett, den Altsaxofonisten Wanja Slavin und Valentin Garvie (vormals Mitglied des Ensemble Modern) an Trompete und Flügelhorn, mal erinnert die stakkatohaft-metallische Repetition von Philip Zoubek am präparierten Klavier an den musikalischen Minimalismus, der splittrige Gitarrensound von Nicola Hein hingegen an die New Yorker Downtownszene. Klangszenisches mit gestrichenem Bass – mit Christian Ramond ist ein zweiter Bassist im Spiel – und gestrichenen Perkussionsinstrumenten, manniggestaltige Sounds von den Synthesizern von Dominik Mehring sowie Zoubek, zum Schluss eine tatsächlich subsonisch wummernde Synthiefläche – und das alles wirkt mitnichten grell spektakulär. Großartig, ohne Einschränkung.

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