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 Shirley Bassey.
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Shirley Bassey.

Shirley Bassey

Mit Inbrunst und Eleganz

  • vonPhilipp Kause
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Ein fast schon zeitloses Abschieds-Album der großen Shirley Bassey.

Frau „Goldfinger“, Shirley Bassey, Off-Stimme eines der berühmtesten Momente im Agentenfilm-Genre, wird bald 84. „I Owe It All To You“ heißt ihre inbrünstig gestaltete Abschieds-CD, mit Evergreens und neuen Songs. Zur Ritterin des Vereinigten Königreichs geschlagen, verdient sie den Adelstitel „Dame“ in diesem Fall auch, weil sie mit jedem zu covernden Stück gleichsam einen siegreichen Kampf ausfocht. Ihr Gesang behauptet sich auch in schwierigen Höhenlagen vehement und charaktervoll gegen orchestrale Walls of Sound des Easy Listening.

Hinter Shirley Bassey liegt eine (Kriegs-)Kindheit und Jugend jenseits von Zuckerschlecken, später das Erklimmen des Pop-Olymps. Kurzfassung: Aufgewachsen mit Migrationshintergrund in kinderreicher Patchwork-Familie. Vaterschaft halbwegs ungeklärt. Schulabbruch. Mit 14 Job in Wurstfabrik. Mit 16 schwanger; alleinerziehend.

Bassey rutschte trotzdem in die Revuetheater-Szene hinein. Verfügt (bis heute) über keinerlei Gesangsausbildung, ergatterte mit 19 einen LP-Vertrag, sprang mit 20 in die Top Ten, mit 21 auf die Eins der Charts. Textete „Something“ von George Harrison in ihre Frauenperspektive um. Fürs siebte Bond-Abenteuer engagierten die Produzenten Broccoli/Saltzman die elegant Intonierende erneut. Samt „Diamonds Are Forever“ und „Moonraker“, gemäß ehernem 007-Prinzip zwischen langem Prolog und Haupthandlung prominent platziert und noch vor der MTV-Ära in Clip-Optik, performte die Waliserin drei dieser Opener. Nur sie durfte mehrmals ran.

Auf „I Owe It All To You“ kurvt sie vom frühen 18. Jahrhundert achterbahnartig zu Chaplins Filmsong „Smile“ aus der bitteren Fabrikarbeiter-Persiflage „Moderne Zeiten“. Aus den 1940ern ertönt der schwungvolle Standard „Almost Like Being In Love“.

Die Golden Sixties zeigen sich mit „Maybe This Time“. Liza Minnelli vertonte jenen inneren Monolog in der Musical-Verfilmung „Cabaret“ anders: mit naiver, glühender Euphorie, als dezente Klavier-Akkordeon-Nummer. Shirley Bassey dreht die Pop-Preziose nonchalant in eine anfänglich neutrale Stimmung. Eine Posaunen-Armada umspielt sie, nahe am Kitsch. Doch abrupt wird eine rauschhafte Hymne daraus.

Die bessere Hälfte

Die 70er steuern John Miles’ epochales „Music“ bei. Dessen Refrain trifft das Leben der Sängerin: Musik als bessere Hälfte! Zwar komponiert sie nicht, spielt kein Instrument. Doch sie verkörpert Lieder. Weder Songwriterin noch reine Interpretin, könnte man sie Singspielerin nennen; wie eine Synchronsprecherin, die sich in Handlungsdramatik und Rollencharakter hineindenkt.

Während dann die 80er mit einem berückenden Queen-Cover („Who Wants To Live Forever“) aufwarten, kommen aus den 2010ern starke, liebevolle Aufnahmen eines Beyoncé-Hits und eines Lady-Gaga-Filmsongs hinzu. Drei neue Kompositionen, darunter der emotional-expressive Titelsong, komplettieren die sehr lebendige Platte. „Look But Don’t Touch“ berstet vor rauer Schnoddrigkeit und wildem Soul, entfernt sich von der cleanen Nettigkeit des Variété-Jazz. Das wunderschöne „You Ain’t Heard Nothing Yet“ erinnert an die Bläser-fanfaren im Sinatra-Hit „New York, New York“.

Bassey changiert kultiviert zwischen den Tempi, Stimmungen und Intensitäten, und sie webt einen roten Faden. Der heißt Zeitlosigkeit. Sie nimmt sich solcher Kompositionen an, die eine große Vergangenheit und möglicherweise eine sehr lange Zukunft haben.

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