Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Mireille Mathieu, 2014 in Paris.
+
Mireille Mathieu, 2014 in Paris.

Mireille Mathieu 75

Mireille Mathieu zum Geburtstag: Und ewig fließt die Seine

  • Harry Nutt
    VonHarry Nutt
    schließen

Mireille Mathieu verlieh dem deutschen Schlager ihren Charme und ihr unvergleichliches Tremolo. Nun feiert der „Spatz von Avignon“ 75. Geburtstag.

Ein Hauch von Vergänglichkeit scheint Mireille Mathieu bewusst gewesen zu sein, als sie ihre Lieder glasklar und mit französischem Akzent vor einem großen deutschen Publikum präsentierte. „Du bist nie mehr so jung wie heut’“, singt sie in ihrem Hit „An einem Sonntag in Avignon“ und fordert ihre Zuhörer dazu auf, allein für den Augenblick zu leben. „In Avignon passiert so allerlei.“

Mireille Mathieu muss es wissen, sie wurde dort 1946 geboren. Zu ihrer Starlegende gehörte bald der biografische Hinweis, dass sie zusammen mit ihrer Schwester in einer Konservenfabrik gearbeitet habe. Eine bodenständige Sängerin, die sich alles hart erarbeiten musste und den Beinamen „Spatz von Avignon“ erhielt, weil sie stimmlich, aber auch durch ihre Körpergröße von 1,53 Meter an Edith Piaf erinnerte, den „Spatz von Paris“. Was für eine künstlerische Hypothek.

Aber auch eine Orientierung. Mit Piafs „La vie en rose“ hatte Mireille Mathieu 1964 einen Gesangswettbewerb gewonnen, der ihr den Weg zu ersten Fernsehauftritten ebnete und in die formenden Hände von Johnny Stark führte, der bereits mit Yves Montand, Johnny Hallyday und Françoise Hardy gearbeitet hatte.

Markenkern des Chansons

Als Mireille Mathieu die Szene betrat, wurde der Markenkern des französischen Chansons noch mit großer Strenge gehütet, spätestens in der zweiten Hälfte der Sechzigerjahre aber hatte er sich gegen die sogenannte YéYé-Musik zu behaupten, die das traditionelle Chanson mit Pop-Elementen verknüpfte. Mit großer verführerischer Geste hatte allen voran Serge Gainsbourg die Genregrenzen verschoben, und Mireille Mathieu wirkte dabei nicht zuletzt wegen des immer ein wenig pathetischen Tremolos in ihrer Stimme wie eine sittsame Klosterschülerin, der es fortan aufgetragen war, Haltung zu bewahren.

Selbst als sie in den Achtzigerjahren mit ihrer nach innen geföhnten Pagenschnittfrisur viel Spott auf sich zog, blieb sie ihrer einmal gewählten äußeren Erscheinung treu und erfreute ihr Publikum mit verlässlich-heiterer Schlagerware im Stil ihrer großen Hits wie „Martin“, „Hinter den Kulissen von Paris“ und „Es geht mir gut, Chéri“ – Evergreens einer deutschsprachigen Unterhaltungsmusik, die sich gern einen Hauch charmanter Fremdheit zulegte.

Obwohl Mireille Mathieu vor allem in Deutschland gefeiert wurde, blieb sie auch in Frankreich ein großer Star, der in kommerzieller Hinsicht später allein von Céline Dion übertroffen wurde. Ihre enorme Bühnenpräsenz hatte sie sich über zahlreiche internationale Auftritte erarbeitet, mit denen sie nicht zuletzt der Versuchung entging, ebenfalls in Richtung YéYé-Musik abzubiegen. Fremde Sprachen eignete sie sich via phonetische Nachahmung an, und nach einem Auftritt in der Ed-Sullivan-Show in den USA hatte sie bereits 1966 im Friedrichstadtpalast in Ostberlin gastiert, wenig später folgte eine große Tournee durch die Sowjetunion. Mit mitreißendem Timbre in der Stimme füllte sie mühelos große Hallen und verlieh dem hiesigen Schlager stets auch den Glanz der großen Bühne. Das Chanson galt in Deutschland auch als die etwas andere Art, es mit einem Schlager zu sagen.

DDR-Fernsehen in Farbe

Das Jahrzehnt ihrer großen Erfolge waren die Siebzigerjahre, in denen sie mit zahlreichen Fernsehshows reüssierte. Mit einem „Galaabend mit Mireille Mathieu“ aus Leipzig hatte sie den Bildern des DDR-Fernsehens am 3. Dezember 1970 zur Farbe verholfen. Mireille Mathieu sang Duette mit Charles Aznavour, Tom Jones, Nana Mouskouri und Plácido Domingo, und immer wieder bediente sie mit Dutzenden Alben über Jahrzehnte ihr treues Publikum, das sich durch ihre äußere Erscheinung der Illusion hingab, dass seit der ersten Begegnung nicht allzu viel Zeit vergangen sein könne.

Am heutigen Donnerstag feiert Mireille Mathieu ihren 75. Geburtstag. Und ewig fließt dazu die Seine, wie es in „Hinter den Kulissen von Paris“ heißt – „so wird es immer bleiben“.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare