Ludovico Einaudi

Minimalissimo

  • vonLaura Oehl
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Ludovico Einaudi weiß seine Fans in der Frankfurter Festhalle zu begeistern.

Mit seiner Musik zu Olivier Nakaches und Éric Toledanos Film „Ziemlich beste Freunde“ schaffte Ludovico Einaudi 2011 endgültig den Durchbruch. Eine große und vielfältige Fangemeinde tat sich auf, die Einaudis eingängige Stücke nicht nur selbst gern spielt, sondern ebenso gerne hört. So verwundert es kaum, dass die Festhalle Frankfurt voll war, als der erfolgreiche Italiener an seinem Flügel Platz nimmt.

Einaudi ist nicht nur der Pianist, als den ihn viele seiner Fans im Publikum kennen mögen. Er ist vor allem auch Komponist. Das wird an diesem Abend mit seiner fünfköpfigen Band deutlich. Es geht nicht immer nur um das Klavier, vielmehr nimmt es in vielen seiner Stücke eine eher begleitende Rolle ein. Im Vordergrund stehen dann Cello oder Violine, auch die Percussion ist ein zentraler Bestandteil der Kunst Einaudis, die sich fast als Minimal Music beschreiben lässt. Die Musiker eröffnen Klangwelten, die immer wieder von kleinen Melodien durchsetzt sind, oft aber auch geräuschhaft und experimentell daherkommen.

Kunstvoll auch das, was auf der Leinwand hinter den Musikern oder in den Lichtprojektionen auf der Bühne und an der Festhallen-Decke zu sehen ist. Notwendig auch deshalb, weil es auf der Bühne nicht viel zu sehen gibt. Ludovico Einaudi sitzt mit dem Rücken zum Publikum. Ab und zu ist eine Hand zu sehen, die auf der Klaviatur auf- und abwandert, seine Musiker gehen ein paar Schritte über die Bühne, um von einem Instrument zum anderen zu kommen. Gesprochen wird nicht. Ein ausgeklügeltes Licht- und Bildkonzept untermalt die einaudischen Klänge: Striche, Zahlen und Buchstaben wandern hinter den Musikern umher und verweisen auf das 2015 erschienene Album „Elements“, helles Licht und eine weiße Wand lassen die Musiker wie Schattenfiguren erscheinen. Wird es laut auf der Bühne, so wird es im Saal hell. Wirkung zeigt dieses Konzept; nach jedem Stück kommt frenetischer Jubel auf.

Zurück zur Einfachheit kehrt der 62-Jährige dann, als seine Band die Bühne verlässt. Was folgt, ist ein halbstündiges Pianosolo, in dem nun auch diejenigen auf ihre Kosten kommen, die ein entspanntes Klavierkonzert erwartet hatten. Mit feinsten, kaum hörbaren Übergängen verknüpft der Pianist – der Einaudi nun wieder ist – seine bekanntesten Werke, wie „Nuvole bianche“ und „Una Mattina“, und lässt das Publikum unter seinen einfachen Melodien schwelgen. Nach 30 Minuten nimmt Einaudi die Hände vom Flügel und dreht sich das erste Mal an diesem Abend zu seinem Publikum um, das ihn feiert.

Wer nun dachte, das sei das Ende des Abends, und den Saal im Eilschritt verlassen wollte , der irrte. Es folgt noch einmal Einaudi, der Komponist und Klangkünstler. Ein weiteres Feuerwerk minimalistischer Klänge, dramatischen Aufbaus und abrupter Schlüsse, mit dem Einaudi sein Publikum in den lauen Frankfurter Abend entließ.

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