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Komponist Mikis Theodorakis.
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Komponist Mikis Theodorakis.

Nachruf auf Theodorakis

Mikis Theodorakis: Folklore und Kampf in Griechenland

  • VonBernhard Uske
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Mikis Theodorakis überlebte Folter und Gefangenschaft und war als Volksheld in Griechenland nicht nur als Musiker, sondern auch politisch aktiv. Ein Nachruf.

Seinen Platz auf dem Olymp hatte der griechische Komponist und Musiker spätestens eingenommen, als man ihn auch in den bürgerlichen Musentempeln der Welt erleben konnte. Auf Plakaten und Programmheften prangten spätestens seit den späten 90er Jahren Titel, die der Berühmtheit seines Namens goldfarben und in Serifen Ausdruck verliehen. „Theodorakis Classics“.

Zu diesem Zeitpunkt lag der Durchbruch des 1925 auf der Insel Chios geborenen Konservatoriumsabsolventen bereits mehr als dreißig Jahre zurück. Die Siegel seines Erfolgs außerhalb Griechenlands waren die Filmmusik zu dem Film „Alexis Sorbas“, die „Ballade von Mauthausen“ sowie seine Garcia-Lorca- und Pablo- Neruda-Vertonungen.

Mikis Theodorakis überlebte Gefangenschaft und Folter

Theodorakis hatte im Kampf gegen die deutsche Besatzung und mit der Teilnahme am griechischen Bürgerkrieg, in Gefangenschaft und Folter ähnliche, sein künstlerisches Selbstverständnis prägende Erfahrungen gemacht wie sein fast gleichaltriger Landsmann und Kompositionskollege Iannis Xenakis. Beide waren nach der Haftentlassung in Paris sesshaft und Kompositionsschüler Olivier Messiaens geworden.

NameMikis Theodorakis
BerufKomponist, Schriftsteller und Politiker
Geboren29. Juli 1925
Verstorben2. September 2021
GeburtsortChios, Griechenland

Während Xenakis seine politischen Erfahrungen in einer Ästhetik der (Ton-)Massenbewegungen auf der Basis mathematischer Kalküle vermittelte und zu einem Leuchtturm der Neue-Musik-Avantgarde wurde, griff Theodorakis auf viele griechische folkloristische Elemente zurück. Bei ihm sollte Musik nicht über Ton-Massen, sondern für Menschen-Massen geschrieben werden. Töne und Klänge versuchte er im Sinne von Hanns Eislers Konzept einer angewandten Musik zu funktionalisieren und nützte sie seit Beginn der 60er Jahre auch als Treibsatz für eigene Ambitionen in der griechischen Politik. So saß er nicht nur am Klavier und Notenpult, sondern nach dem von ihm mitbetriebenen Sturz der Obristen-Junta auch im Parlament und am Kabinettstisch. In alle möglichen ästhetische und volkspädagogische Belange hineinwirkend. Bis in die 90er Jahre war da ein Künstler gleich dem dichtenden Minister in Weimar aktiv. Mehr als 1000 Lieder, mehrerer Kantaten, Oratorien, zahlreiche Opern, Sinfonien und eine Fülle von Werken aller weiteren musikalischen Gattungen gehören zu seiner Hinterlassenschaft.

Schwenks und Wendungen, wie er sie politisch vollzog, erfolgten im musikalischen Bereich nicht. Die folkloristische Grundierung der Theodorakis-Melodien in Dur und Moll blieb zeitlebens bestimmend. Die Sinfonien, Oratorien und Ballette fungierten auch als Selbstdarstellungsmittel eines amtlich beglaubigten Befreiungsheroen.

Mikis Theodorakis: Der komponierende Volksheld von Griechenland

Die westeuropäischen Intellektuellen, die in den 70er Jahren den musikalischen Unterhaltungswert der Musik für aufbegehrende Völker entdeckt hatten, verschrieben sich aber bald einer Crossover-Ästhetik, die nach reizenderen Impressionen Ausschau hielt, nach denen eines EU-Mitgliedslandes, das an jeder Ecke seine gastronomische Erlebniskultur anbot. Dem neuen Ethno-Entertainment Worldmusic gegenüber blieb der mit US-amerikanischen, britischen und sowjetrussischen Preisen samt IMC-Unesco-Musikpreis hochdekorierte Künstler verschlossen; man suchte im instrumentalen Tross seiner Auftritte die obligatorischen Sufi-Sänger, senegalesischen Trommler oder mongolischen Flötenspieler vergebens.

Im neuen Jahrtausend konnte Theodorakis die Früchte seines Lebenswerks ernten. Herausragend dabei war die Verleihung des Erich-Wolfgang-Korngold-Preises, der Theodorakis, nach Ennio Morricone und Ravi Shankar, für sein Lebenswerk verliehen wurde. Die Laudatio auf den damals 77-Jährigen hielt der französische Kulturminister Jack Lang.

Jetzt ist der komponierende Volksheld Griechenlands im Alter von 96 Jahren gestorben. (Bernhard Uske)

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