Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Brigitte Helm als falsche Maria, rechts Regisseur Fritz Lang.
+
Brigitte Helm als falsche Maria, rechts Regisseur Fritz Lang.

Festival Fratopia in Frankfurt

„Metropolis“ in der Alten Oper: Warum reden wir eigentlich so viel?

  • Judith von Sternburg
    VonJudith von Sternburg
    schließen

Fritz Langs „Metropolis“ mit Georg Huppertz’ Musik in der Alten Oper Frankfurt.

Wilde, nein, natürlich blendend geordnete Aufbruchstimmung in der Alten Oper Frankfurt. Mit ihrem Programm, das ohne weiträumige Reisetätigkeit und große Menschenansammlungen auf der Bühne nicht machbar ist, wurde sie doppelt und dreifach von der Pandemie getroffen. Nun aber läutet das Festival Fratopia bessere Zeiten ein. Man muss das Konzept insofern nicht nachvollziehen können. Die Hauptsache ist, dass sich das HR-Sinfonieorchester auf der Bühne knäueln kann und auf der Riesenleinwand Fritz Langs „Metropolis“ zu sehen ist, dies in der restaurierten und seriös nach dem Stand der technischen und wissenschaftlichen Möglichkeiten zusammengestellten Fassung von 2010 (als die Alte Oper schon einer der Orte der Wiederuraufführung war).

Selbstverständlich knäuelt sich das HR-Sinfonieorchester auch nicht, es sitzt diszipliniert beieinander. Der Spezialist Frank Strobel – der zum Restaurationsteam gehörte – führt es geschmackssicher durch Gottfried Huppertz’ große Filmmusik. Das ist – jenseits der Wiederholungen, die sich ein eigenständiges Werk nicht erlauben könnte – Musik im Wagnerformat mit Leitmotiven und Atmowechseln, im schrekerisch spätromantischen Stil und mit Zitaten, die schon zuvor die klassische Musik an Leben und Tod angeschlossen haben: hier die Marseillaise für die aufgebrachten Arbeiter, dort das Dies Irae für den aufgeweckten Tod, wobei die fabelhaft ausgebreitete Apokalypse ad hoc in ein läppisches Happyend mündet. Mit dem Sinnspruch „Mittler zwischen Hirn und Händen muss das Herz sein“ ist das Klassenproblem in der Tat nicht zu lösen, aber das wird großen Teilen des Publikums ganz angenehm gewesen sein. Uns womöglich auch. Ist doch schön.

Unter Kapitalistensöhnchen

Schön übrigens auch als Kommentar zum in dieser Hinsicht unfreundlicher gelagerten „Öl!“ im nahen Schauspielhaus, Upton Sinclairs Roman erschien mit durchaus anderem Ansinnen 1927, im selben Jahr wie Langs Film. Wenn sich Heinrich George als frischgebackener Arbeiterführer und Alfred Abel als Oberkapitalist am Ende die Hände reichen, wirkt „Metropolis“ wie eine Satire auf Sinclairs Aufruf, den Klassenunterschieden mehr als einen schlaffen Seitenblick zuzuwenden. Jung-Bunny, das Kapitalistensöhnchen in „Öl!“, vermittelt immerhin eine Vorstellung davon, wie weit es mit dem nagelneuen Gerechtigkeitssinn von Jung-Freder, dem Kapitalistensöhnchen in „Metropolis“, her sein mag.

Fritz Lang zeigt dafür alles, was dem Kino damals möglich war, und man stellt fest, dass es heute nicht substanziell mehr kann. Faszinierend dabei, mit wie wenigen Worten alles gesagt ist. Gustav Fröhlich als leidenschaftlicher Freder redet sich auf der Leinwand den Mund fusselig, um letztlich die für Liebesdinge allerdings zentrale Frage auf der Schrifttafel zugebilligt zu bekommen: „Wer – war das?“ Es war Brigitte Helm als echte, nachher falsche Maria – das Doppelgängermotiv, es funktioniert, und wieder klappern uns die Zähne, wenn die falsche Maria mit hängendem Lid in die Kamera starrt.

Die taufrische musikalische Darbietung gesellt sich so gut zu den restaurierten Bildern, dass nicht alles wie neu ist, sondern alles neu.

„Fratopia“ in der Alten Oper Frankfurt: bis 30. September. www.alteoper.de

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare