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Marianne Crebassa und ihr Begleiter Alphonse Cemin.

Liederabend

Metall, das jedes Parfüm fern hält

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Ein Liederabend der jungen Mezzosopranistin Marianne Crebassa, die in Frankfurts Oper Französisches singt.

Ein komplett frankophones Programm bot der jüngste Liederabend in der Oper. Natürlich von einer französischen Sängerin gestaltet, begleitet von einem französischen Pianisten. Beides junge Künstler: die Solistin, Marianne Crebassa, ist 31 Jahre alt. Ein aufsteigender Stern am Himmel der Mezzosoprane und jugendlich, fast ausgelassen in manchen Zügen ihres Auftretens, wenngleich ihre Größe und die Statuarik der Vortragshaltung dann wieder eher einen strengen und fast heroischen Habitus assoziierbar machten.

Französische Lieder also, von Claude Debussy und Maurice Ravel natürlich, darunter solche Berühmtheiten wie „Shéhérazade“ und „Trois mélodies d’après Verlaine“. Aber auch die großartigen, pastosen „Mirages“ von Gabriel Fauré, Francis Poulencs spitzfindige „Banalités“ und eine Handvoll abgründige Texte, die Henri Duparc vertont hat. Von Poulenc und Duparc steuerte der Pianist Alphonse Cemin, der vor vier Jahren in Kürten den Preis für die beste Interpretation eines Werks von Karlheinz Stockhausen erhielt, je ein klavieristisches Solowerk bei: rund und ausgewogen, in schwingendem Rhythmus.

Marianne Crebassa hat eine ungewöhnlich homogene Stimme, der eine geschlossene, leicht metallisch reflektierende Oberfläche Strahlkraft gibt und Süße oder Weichheit fernhält. Es ist Klarheit, aber keine kristalline oder gläserne, sondern eine dichte, tektonisierte, die zu dem balladenhaften Zug vieler der französischen Werke sehr gut passt. Hier wird ja meist weniger Ausdruck gesucht, wie in den deutschen Formaten, vielmehr Eindruck vermittelt: Sinnenereignisse, Assoziationen, Atmosphäre. „Staffelung der Hecken“ oder das „Ungefähr eines Sonntags“ – das rührt nicht die Zentriertheit eines kompositorischen Leidens-Egos, sondern wird als Resonanz eines spezifischen Klangprospekts inszeniert.

Dass sich solche Vokalvermittlung nicht in parfümigem Timbre bewegen muss, um eine, wenngleich klischeebehaftete, Akzeptanz beim Publikum zu erreichen, dafür sorgte eben diese klare, geradlinige und vor allem ohne jede Färbungsveränderung in den diversen Höhenlagen sich bruch- und mühelos bewegende Stimme.

In der Zugabe, der „Vocalise-étude en forme de habanera“ von Maurice Ravel kam dann noch ein performatives Element der Möglichkeiten Crebassas ins Spiel und zugleich die Öffnung des Stimm-Raums in die große Tiefe, die resonanzstark und wohltönend ist.

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