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Siebzig? Wer’s glaubt. Der hier auch erst 69-jährige Sting beim Reeperbahn-Festival in Hamburg Ende September.
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Siebzig? Wer’s glaubt. Der hier auch erst 69-jährige Sting beim Reeperbahn-Festival in Hamburg Ende September.

Sting

„Message In A Book“, ein Buch zum 70. Geburtstag – Besser altern mit Sting

  • Thomas Stillbauer
    VonThomas Stillbauer
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Der Star, den alle lieben, wird 70 – der Band „Message In A Book“ begleitet ihn dabei in Gesprächen.

Jeder und jede hat einen eigenen Sting. Oder noch mehr davon. Wer schon in den 1970er Jahren Musik hörte, hat seinen Police-Sting mit der enorm hohen Stimme, die auf Partys bei „Roxanne“ zu imitieren stets ein Riesengemeinschaftsspaß war. Und bewunderte ihn natürlich in Filmen wie „Quadrophenia“ und „Dune“. Wer dranblieb, als The Police den Dienst quittierte, hat seinen Solo-Sting mit den traumhaft schönen Liedern etwa auf „The Dream Of The Blue Turtles“ oder „The Soul Cages“, einem Werk nahe an der Pop-Perfektion. Und wer noch länger dranblieb, wanderte mit dem „Englishman in New York“ durch Stilepochen und Metamorphosen und Zeitenwechsel, in denen er doch immer er selbst blieb.

Wer und wie viele ist Sting?

Das ist ein lange Zeit. Aber Verzeihung – wie alt ist der Mann an diesem Samstag? Siebzig? Dieser Ausbund an Vitalität? Glaubt ihm doch kein Mensch.

Einer, der es glaubt, ist Martin Scholz, Journalist, lange Zeit FR-Redakteur und noch länger Weltreisender in Sachen Musik. Er hat Sting getroffen, nicht nur einmal, sondern immer wieder, und über die Jahre Gespräche mit dem Komponisten, Sänger, Bassisten, Filmstar geführt. Auszüge aus diesen Interviews, viele bislang unveröffentlicht, sind in diesem lesenswerten Buch zu finden. „Wer ist Sting – und wie viele?“, fragt Scholz treffend im Vorwort.

Einer der vielen Stings erzählt wunderbar davon, dass der Winter seine Jahreszeit ist, auch wenn es kalt war in Newcastle, seiner Geburtsstadt: „Unsere Fenster waren meist von innen vereist, ich konnte mit meinem Fingernagel Gesichter in das Eis ritzen.“ Schuberts „Winterreise“, erzählt er, habe er selbst ins Englische übersetzt. Sting war einst Deutschlehrer. Er habe sich ein paar Freiheiten für die Übersetzung erlaubt, sagt er. „Ich hoffe, Schubert wird es mir nicht übelnehmen.“

Vergrätzt waren die Fans lange Zeit über das Ende der Kultband Police nach nur fünf Studio-LPs und nicht einmal zehn Jahren. Legende sind aber auch die Streitereien, ja, Prügeleien zwischen Sting und Schlagzeuger Stewart Copeland, die einfach keine friedliche Basis miteinander fanden. Als die Band 2007 zum 30. Jahrestag der Gründung noch einmal auf Tournee ging, war die Hoffnung der Nostalgiker groß. Umsonst. „Ich habe es gemacht, weil ich etwas zum Abschluss bringen wollte“, sagt Sting 2009 zu Scholz. „Und wir haben das Kapitel abgeschlossen.“

Das Buch

Martin Scholz: Sting. Message In A Book. Ein Porträt in Gesprächen. Kampa, Zürich 2021. 192 S., 22 Euro.

Fast hätte er die Band schon viel früher gekillt: auf endlosen Autofahrten, nachts nach den ersten Gigs der jungen Band, aus allen Ecken Großbritanniens zurück nach Hause. „Ich war hinter dem Steuer eingeschlafen und wachte plötzlich schreiend auf, weil der Wagen ins Rutschen gekommen war.“

Schön zu lesen, wie über die Jahre in den Gesprächen eine Vertrautheit wächst, ein oft humorvoller, auch ironischer Umgang mit den Themen.

Das Älterwerden ist eines davon, Sting spricht früh davon, dass man es lernen muss, dass man auch „sein Ende proben“ sollte, und 2016 dann, dass er es interessant findet, das Altern. Er ist 2009 enorm kämpferisch fürs Klima und 2019 dann – etwas resigniert? Nein, eher realistisch: 2019 ist er zu der Erkenntnis gekommen, die vorderste Front im Kampf für die Umwelt den Experten zu überlassen. „Ich treibe das Geld auf, um diese Leute zu bezahlen. Das ist mein Job.“

Sting ist gerührt, wenn er über seine Musik machenden Söhne und Töchter spricht, charmant, als er mit Mylène Farmer im Doppelinterview schäkert. Er nennt den Brexit 2016 einen Alptraum und Donald Trump 2018 einen Blender, er findet für Bassisten die Fußball-Position des Außenverteidigers angemessen und kann sich nicht daran erinnern, in Bielefeld aufgetreten zu sein. Erfreulicherweise folgt nicht der Hinweis, dass es Bielefeld gar nicht gebe. Das passt zur wohltuenden Atmosphäre der Gespräche, die komplett ohne Fotos auskommen.

„Walking Around My Room“

„Walking On The Moon“, erfahren wir aus einem Gespräch von 2019, hieß ursprünglich „Walking Around My Room“, weil Sting den späteren Superhit betrunken beim Herumwandern in einem Hotelzimmer komponierte. Das waren Zeiten.

In zwei zusätzlichen Kapiteln spricht Martin Scholz mit dem Autor Frank Schätzing und mit Rocklegende Udo Lindenberg über Sting. „Wir hatten als Teens beide die starke Neigung, zur See zu fahren – dann kam die Musik dazwischen“, sagt Lindenberg. Und, ganz Udo: „Ja, da gibt es viele Ähnlichkeiten, in der Soul und auch im Geiste. Er ist eben mein brother from another mother.“

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