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Jonas Kaufmann mit seinem Programm „L’Opéra“ im Großen Saal der Alten Oper Frankfurt.

Jonas Kaufmann

Mein einzig Licht

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Jonas Kaufmann singt Französisches in der Alten Oper Frankfurt.

Jonas Kaufmanns französisches Programm, in einer etwas anderen Zusammensetzung auf seiner CD „L’Opera“ zu erleben, verbindet Hits und Fundstücke sinnig und stimmig. Zumal die Fundstücke – aus Jacques Fromental Halévys „La Juive“, Jules Massenets „Le Cid“ oder Ambroise Thomas’ „Mignon“ – doch selbst einst große Erfolge waren. Auch der freundliche Sänger aus München, beim Pro-Arte-Konzert in der Alten Oper Frankfurt vor längst ausverkauftem Haus mit beneidenswert schönen Rosen, Schokolade und individuell verpackten Grußadressen beschenkt, stellt auf seine konziliante Weise die Kanon-Frage: Wie halten wir es an unseren Opernhäusern mit den französischen Klassikern jenseits von „Carmen“ oder „Werther“ (die natürlich ebenfalls zum Zuge kamen)?

Kaufmanns sehr dunkel timbriertem Tenor liegen die lyrischen, nachdenklichen Stücke, die in der Höhe Zartheit wünschen und in höchstem Maße bekamen und eher in der Mitte erblühen, was sich in einem geradezu verträumten Auftakt aus Meyerbeers „L’Africaine“, „Pays merveilleux“, zeigte (dem interessierten Frankfurter Publikum dank der Bernd-Loebeschen Spielplangestaltung keineswegs fremd). Kaufmanns sparsamer Umgang mit der Strahlkraft seiner Stimme mag einer Rücksichtnahme geschuldet sein, aber es ist auch ein eindrucksvolles Gestaltungsmittel – der Effekt ist eine immense Kultiviertheit und sind gewaltige Steigerungen innerhalb einer Arie vom sphärischen Wispern in ein rasches, vehementesCrescendo hinein, so gleich im zweiten Titel, „Ah! lève-toi, soleil!“ aus Charles Gounods „Roméo und Juliette“. Die flankierende Mezzosopranistin Kate Aldrich sang sodann Carmens „Die Liebe ist ein widerspenstiger Vogel“ umso gerader heraus, mit einer kühlen und beiläufigen Erotik, denn Bizets Heldin führt etwas im Schilde.

Bei aller Feier der gepflegten Stimmkultur – und was Kaufmann singt, singt er makellos – waren die schönsten Momente des Abends womöglich doch die Opernhaften. Vor der Pause fanden sich Kaufmann und Aldrich zum Finale des 1. „Werther“-Aktes zusammen, am Ende vor den Zugaben zum „Carmen“-Finale. Man konnte dabei zuschauen, wie die beiden Routiniers umstandslos in ihre Rollen schlüpften. Aldrich-Charlotte – obwohl noch im knallroten Carmen-Kleid – verscheuchte mit ihrer bürgerlichen Noblesse den todunglücklichen Kaufmann-Werther (nach seinem sensationellen „Rève! Extase! Bonheur!“) regelrecht von der Bühne. Kaufmann-José stach wiederum mit einem imaginären Messer zu, Aldrich-Carmen starb in seinen Armen, alles weitere machte die Musik. Das ist Oper.

Das Orchester PKF – Prague Philharmonia begleitete unter der Leitung von Jochen Rieder blitzsauber.

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