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Kein Grund, sich an den Kopf zu fassen. Oder doch? Dendemann geht tatsächlich auf Tour.

Dendemann

Mehr als ein Dorfkind

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Dendemann bringt tatsächlich nach all der Zeit ein neues Album raus. Und damit geht er auf Tour.

Acht Jahre. Acht verdammte Jahre. So lange ist es nun schon her, dass Dendemann, einer der besten deutschen Rapper aller Zeiten, sein letztes Album veröffentlicht hat. Seitdem hielt sich – besonders in der ZDF-Sendung „Neo Magazin Royale“, wo Dendemann für die musikalische Begleitung sorgte – der Running Gag, wann denn der Nachfolger käme. Am 25. Januar ist es nun soweit. Kurz danach präsentiert der Wahl-Berliner sein Werk „da nich für!““ auch im Rhein-Main-Gebiet.

Wer Dendemann, der 1974 als Daniel Ebel in Wickede auf die Welt kam und seine Jugend im sauerländischen Menden verbracht hat, als Nerd bezeichnet, der beleidigt ihn damit nicht. Denn er ist ein Nerd. Ein Hip-Hop-Nerd. Ein Musik-Nerd. Ein Reime-Nerd. Kaum ein anderer Rapper hat derart ausgefeilte Reimstrukturen, die sich aber nicht in verkopfter Technik verlieren, sondern flowen, als wäre es das leichteste auf der Welt. Hinzu kommen Wortspiele, die sich oft erst beim zweiten oder dritten Hören entfalten. Auch das neue Album zeigt das auf eindrucksvolle Art und Weise.

Da macht er „Blaupausen wie ein Trockener“, hat in einem Track über das von ihm und Gastrapper Casper verachtete hedonistische Leben der Berliner Party-Gesellschaft ein „feuerwasserdichtes Alibi“, er rappt von der „Idyllabfuhr“. Letzeres im Track „Wo ich wech bin“, das seine Jugend in Menden beschreibt. Eine Heimat, zu der er kaum noch Verbindungen hat. Die ihn aber trotzdem geprägt hat. „Du kriegst mich aus dem Dorf, doch das Dorf nicht aus mir.“

Doch Dende ist viel mehr als nur das Dorfkind, das einst anfing zu rappen. Er hat auf diesem Album auch seine politische Seite entdeckt. Gleich mehrere Tracks beschäftigen sich mit dem Rechtsruck in der Gesellschaft, mit den Mitteln, wie man dagegen angehen kann. Eine Entwicklung, die er nicht geplant hat. „Aber die Themen sind halt einfach da“, sagt er.

Und nicht zuletzt war es die Zeit als Bandleader bei „Neo Magazin Royale“, die ihn beeinflusst hat. „Ich habe noch nie so viele Nachrichten gesehen wie in dieser Zeit“, so Dendemann. Er musste jede Woche liefern, hat legendäre Tracks zu aktuellen Themen gemacht, teilweise erst auf der Anreise oder im Studio. Eine Arbeitsweise, die ihm bis dato unbekannt war, „die mir aber handwerklich unfassbar viele Türen geöffnet hat“, wie er rückblickend feststellt.

Wie sich der „neue“ Dende, der irgendwie auch immer noch der alte ist, nach Durchschreiten dieser Türen anhört, können seine Fans im Februar in Frankfurt und Wiesbaden erleben. Nach acht Jahren Wartezeit können sie den Albumtitel ignorieren und sich für diese wunderbare Musik einfach mal bedanken.

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