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Paul McCartney.
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Paul McCartney.

„McCartney III“

Paul McCartneys neues Album: Grüße aus dem Rockdown

  • Thomas Stillbauer
    vonThomas Stillbauer
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„McCartney III“, im wahrsten Sinne ein Soloalbum eines bestens aufgelegten alten Bekannten.

Fünfzig Jahre Paul McCartney ohne die Beatles. Unglaublich, wenn man mal in Ruhe drüber nachdenkt. Will die Welt das rechtzeitig vor Weihnachten erschienene 18. Soloalbum (oder das 19.?, man kommt völlig durcheinander) von Paul McCartney auch noch hören? Aber ja, sie will. Und es lohnt sich, wie immer.

Auf Spotify spricht er sogar noch eine kurze nette Einleitung (samt Video) dazu. Und dann geht es los mit ganz erstaunlich spannender Musik – Musik, wie sie zum Vorschein kommt, wenn sich jemand hinsetzt, der sehr viel davon versteht, gerade viel Zeit hat und sich einfach inspirieren lässt. Jemand, der genauso gut 28 sein könnte. Und nicht 78.

Corona und Musik: Sir Paul McCartney nimmt sich Zeit für seine Musik

Was macht Corona mit Musikerinnen und Musikern? Corona separiert sie, vom Publikum allemal, von anderen Musizierenden auch. Bands, die seit März nur dreimal verstohlen im Schrebergarten geprobt haben, bis es dafür zu kühl wurde, können Lieder davon singen. Irgendwann. Paul McCartney hat also alles allein geschultert, im „Rockdown“, wie er die virusbedingten Auszeiten nennt, auf seiner Farm in Sussex: komponieren, musizieren, produzieren, alles aus einer Hand. Aus zweien. Natürlich. Und von langer Hand. So, wie sich die Musikwelt in diesem Jahr Zeit nehmen konnte und musste, so nimmt sich Sir Paul Zeit für seine Lieder.

Das Album

Paul McCartney: McCartney III. Universal Music.

„Long Tailed Winter Bird“, das Auftaktstück, führt fast fünfeinhalb genussvolle Minuten lang instrumental auf das zu, was kommt. Die Idee dazu, eigentlich zum ganzen Album, stammt aus den frühen 90er Jahren. McCartney griff das alte Fragment auf, formte ein fließendes, rollendes, treibendes Lied daraus, und fragte sich anschließend: „Was mach ich als Nächstes?“

Es folgen wundervolle Melodien, die sofort für sich einnehmen und für den alten Bekannten, der immer da war und nie so warm willkommen wie heute. Noch ist der überwältigende Filmclip gut im Gedächtnis, mit dem Late-Night-Talkmaster James Corden den Liverpooler 2018 in seine Heimatstadt fuhr (falls nicht: unbedingt nachholen, auf Youtube unter „Paul McCartney Carport Karaoke“).

Auf der Jagd nach morgen: McCartneys Stimme hat sich auf dem neuen Album spürbar geändert

Und es folgt, natürlich, die Stimme, die uns praktisch seit Menschenmusikgedenken begleitet. „Hear me, women and wives“, singt sie, „hört mich an, Frauen und Ehefrauen, Ehemänner und Liebhaber, Mütter und Männer, Brüder und Schwestern: Was wir mit unserem Leben machen, wirkt sich auf die anderen aus, manche von ihnen mögen den Routen folgen, die wir nehmen, auf der Jagd nach morgen. Jeder Pfad, den wir nehmen, macht die Weiterreise schwieriger. Aus Lachen wird Sorge – das kriegt mich nicht unter auf der Jagd nach morgen.“

Das ist der Paul, der Verantwortung übernimmt für eine Welt, die er mitgeprägt hat. Der Paul aber auch, der jetzt eine andere Stimme hat, hörbar anders als auf dem Vorgängeralbum „Egypt Station“. Der Paul, an dem die Zeit nicht vorbeigeht, der daraus keinen Hehl macht. Der Paul, der darauf pfeift und junge, rockige Songs aufnimmt. Und der Paul, der in „Deep Deep Feeling“ gut acht Minuten lang Gefühl transportiert, in Klang und Wort: „Manchmal wünschte ich, es würde bleiben. Manchmal wünschte ich, es würde weggehen.“ Die ozeantiefe Liebe zu jemandem: Er wollte sie musikalisch nicht einschränken und ließ deshalb einfach die Aufnahme ungekürzt, sagte McCartney dem Magazin „Loud And Quiet“. Der Kollege vom „Spiegel“ vermutet, es gelte in diesem Fall der Musik, dieses tiefe, tiefe Gefühl. Eine gute Idee.

„McCartney III“: Neues Album mit 78 – „Ich hatte keine Ahnung, dass das am Ende ein Album wird.“

Elf Songs sind auf dem Album und einige zusätzliche Versionen auf diversen Sonderausgaben (auch auf farbigem Vinyl in limitierter Auflage). „Es war eine Menge Spaß“, sagt der Alleskönner. „Es ging darum, für sich selbst Musik zu machen.“ Und was man dann halt so sagt: „Ich hatte keine Ahnung, dass das am Ende ein Album wird.“ Überraschung!

Warum eigentlich „McCartney III“? Weil das Album anschließt an „McCartney“ (1970) und „McCartney II“ (1980), jeweils Platten, die zu Beginn einer neuen Dekade einen Wandel ankündigten. Wir schauen auf die Fotos, von Tochter Mary und Neffe Sonny aufgenommen, die Paul fröhlich mit Mikro, Gitarre, Schlagzeug, Kontrabass zeigen, und freuen uns auf „McCartney IV“, gern schon 2030.

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