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Maximo Park: Seine Fersionen von uns

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Von: Stefan Michalzik

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Sänger Paul Smith von Maximo Park.
Sänger Paul Smith von Maximo Park. © AFP

Maximo Park mit einem erfrischenden Konzert in der Frankfurter Batschkapp.

Beständigkeit – auf das Schaffen einer Popband bezogen hat dieses Wort insofern etwas Zweifelhaftes, als es zwar für eine Qualität steht, dahinter aber Langeweile lauern kann. Maximo Park, die im Zuge ihrer verspäteten Konzertreise zum 2021 erschienenen Album „Nature Always Wins“ in der Frankfurter Batschkapp gastierten, pflegen einen bestimmten Trade-Mark-Sound. An dem freilich feilt die in ihrem 20. Jahr stehende Band aus dem nordenglischen Newcastle um den Sänger Paul Smith immer weiter.

Seinerzeit die ersten Gitarrenrocker auf dem ursprünglich für experimentalelektronische Popmusik bekannten Label Warp Records gehörten Maximo Park in den nuller Jahren zu einer Generation des New Wave of New Wave mit Franz Ferdinand und den Kaiser Chiefs. In den Texten zu „Nature Always Wins“ beschäftigt sich Paul Smith mit anthropologischen Dingen wie der Debatte „Nature versus Nurture“, also der Frage, ob das menschliche Verhalten durch die Umwelt geprägt wird oder durch die Gene. Musikalisch halten es Maximo Park unbeirrt mit dem Prinzip, das Smith vor langer Zeit auf den Punkt gebracht hat: „Wir sind eine Popband, die nur Popsongs schreiben kann und will – Strophe, Bridge, Refrain“. Selbstbeschränkung als künstlerische Weisheit.

Da sind einesteils die charakteristischen Stakkatorhythmen mit White-Soul-Touch Marke The Jam, auf der anderen Seite in einigen der neuen Songs Ausschläge in Richtung des Synthiepops à la Erasure und Soft Cell mit Paul Smith als veritablem Popcrooner. Die euphorische Dringlichkeit haben Maximo Park über die Jahre retten können, auch wenn Smith inzwischen ein Familienvater von Mitte 40 ist. Nach wie vor pflegt der Schlaks ein dandyhaftes Bühnenoutfit mit Melone, die hyperdynamischen Bewegungen und raumgreifenden Tanzschritte sind zackig im Wave-Stil.

Irgendwo ist immer Krieg

Politisch positioniert sich Smith im Verlauf des Abends gegen den Brexit und die Tories, und er verweist auf die deprimierende Aktualität von Anti-Kriegs-Botschaften: „Our Velocity“ (2007), der erste UK-Top-Ten-Hit, entstand unter dem Eindruck der Verwicklung Großbritanniens in die Kriege in Afghanistan und Irak. „Fersionen von dir“ (folgt man Smith’ Aussprache) ist eine deutschsprachige Fassung des Liebeslieds „Versions of You“, zum Dank an das hiesige Publikum.

Regulär firmieren Maximo Park inzwischen als Trio um die Gründungsmitglieder Smith, den Gitarristen Duncan Lloyd und Tom English am Schlagzeug; live treten sie in Quintettstärke auf, die Keyboarderin und Harmoniesängerin Jemma Freese, über ihre musikalischen Qualitäten hinaus eine lässig showbewusste Erscheinung, ist ein Gewinn. Die neuen Songs vermögen zwischen den alten bestens zu bestehen.

Einnehmend im Übrigen Peaness, das famose junge Frauentrio aus Manchester, das mit seiner lässig-frischen Mischung aus Post-Punk, Glam und Sechziger-Jahre-Girlgroup-Pop den Abend eröffnete.

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