1. Startseite
  2. Kultur
  3. Musik

Max Clouth und Ragawerk: Liegt noch im Einzugsbereich von Indien

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Hans-Jürgen Linke

Kommentare

Max Clouth.
Max Clouth. Foto: Andreas Barnowsky © Andreas Barnowsky

Der Gitarrist Max Clouth, der Schlagwerker Martin Standke und ihr neues Ragawerk

Den weiten Formenkreis dessen, was heute „Jazz“ genannt wird, nutzen Max Clouth, Martin Standke und ihre offene Formation Ragawerk als Reich musikalischer Freiheit – einer Freiheit, die vielgestaltige Neuzusammensetzungen und Synthesen von indischer und westeuropäischer Musik ermöglicht.

Weil Max Clouth nicht nur in Mainz und Dresden, sondern auch unter anderem an der Sangit Mahabharati Music School in Mumbai studiert hat, fallen die Fusionen nie oberflächlich aus, sondern sind von Ernsthaftigkeit und Respekt geprägt. Niemand strickt hier auf diesem Album an einem bekannten Maschenwerk. Jedes Stück kommt mit einer anderen Idee daher, entwickelt sich aus anderen Komponenten und setzt etwas neu zusammen, was zuvor nicht zusammengehörte.

Die Kern-Besetzung von Ragawerk ist ein auf den ersten Blick handelsübliches Jazz- oder Jazzrock-Quartett mit Bass (Peter Puskas), Schlagzeug (Martin Standke), Gitarre (Max Clouth) und Keyboard Georg Boeßner). Auch wenn im Jazz Fusions-Versuche mit indischer Musik im westlichen Pop- und Jazz-Kontext schon gelegentlich vorkamen – am weitesten fortgeschritten wohl in den Arbeiten des englischen Gitarristen John McLaughlin – und es also an Vorbildern nicht fehlt, finden Max Clouth und seine Band doch ganz eigene Wege.

Und die bestehen eben nicht einfach daraus, dass auf ein groovendes Bass-Riff mit der E-Gitarre eine indische Skala gepfropft oder in einen Tala ein Vierertakt implantiert wird. Es geht immer ein bisschen komplizierter zu, und jedes der zehn Stücke auf dem Album nimmt eine aspektreiche und manchmal überraschende Entwicklung, die keinem allgemeingültigen Schema folgt.

Das Album

Ragawerk: Ragawerk. Bellaphon.

Clouth und Standke kennen die Regeln klassischer indischer Musik und gehen freisinnig damit um. Sie spielen eine klanglich und metrisch mit exotischen Elementen angereicherte (und mit einem Hauch vom guten alten Krautrock getönte) Version von zeitgenössischem Jazz. Wobei sie sich bei ihren Anreicherungsprozessen nicht nur auf sich allein verlassen, sondern mehrere – zum Teil indische – Musiker und Musikerinnen eingeladen haben wie die Vokalistin Varijashree Venugopal, den Tablaspieler Udhai Mazumdar, die Sitar-Virtuosen Mehtab Ali Niazi und Abhiseck Mallick sowie mehrere Streicher. Der Mann am modularen Synthesizer allerdings heißt Jan Hennig, firmiert unter dem Künstlernamen Kabuki und ist Frankfurter.

Eine Art Manufaktur

Der weite personelle und stilistische Einzugsbereich der Musik, der in diesen Besetzungsentwürfen und -möglichkeiten aufscheint, sorgt dafür, dass das Ragawerk wie eine Manufaktur daherkommt – ein Produktionszusammenhang also, in dem das Handwerkliche seinen festen Platz hat, die Arten der Kooperation, der Kombination und Montage jedoch nicht in festen Traditionen und engen Bahnen verhaftet sind. Auch der Modular-Synthesizer fügt sich übrigens wunderbar in diesen handwerklichen Kontext.

Die Klangfantasie, die Clouth und Standke in ihren Kompositionen ausleben, experimentiert mit vielerlei instrumentalen und vokalen Farben und Konstellationen. Und immer ist es eine große Freude, Max Clouth beim Spielen auf seiner erstaunlichen zweihalsigen Gitarre und seinen dezenten, präzise gedachten und ausgeführten händischen und elektronischen Klangvariationen zuzuhören.

Auch interessant

Kommentare